Das muss auf dem Honigetikett stehen

Über Pflichtangaben, freiwillige und verbotene Kennzeichnungen

 

Geschrieben von Jana Tashina Wörrle

 

Wer eigenen Honig verkauft, möchte das nicht selten auch ganz individuell auf dem Honigglas zeigen und gestaltet das Etikett selbst. Doch Vorsicht, dabei kann man viele Fehler machen.

 

Honigverordnung, Lebensmittel-Kennzeichnungsverordnung, EU-Lebensmittel-Informationsverordnung, Loskennzeichnungsverordnung oder Preisangabenverordnung – sie alle und noch einige mehr spielen eine Rolle, wenn es ums Honigetikett und die Angaben geht, die es verpflichtend enthalten muss. Auch wenn das nach straffer Ordnung und Zuständigkeit aussieht, sind viele der Vorschriften dennoch erklärungsbedürftig.

 

Was der Gesetzgeber mit den einzelnen Begriffen genau meint, wird immer wieder falsch interpretiert. Diese Erfahrung macht zumindest immer wieder Birgit Lichtenberg-Kraag vom Länderinstitut für Bienenkunde in Hohen-Neuendorf, wenn sie Honige untersucht. Über 800 Honigproben bekommt das Honiglabor jedes Jahr zur Untersuchung zugeschickt und prüft dabei unter anderem die Angaben auf den Etiketten. Sie erklärt, was der Gesetzgeber aktuell von Imkern und Verkäufern fordert, die Honig unter eigenem Namen vermarkten.

 

Zu den Pflichtangaben gehören

 

Die Verkehrsbezeichnung: Damit ist erst einmal gemeint, dass es sich bei dem Produkt um „Honig“ handelt. Diese recht allgemeine Bezeichnung darf man ergänzen und die Sorte oder eine kleine Präzisierung mit aufnehmen. Begriffe wie „Blütenhonig“, „Sommerblütenhonig“ oder „Lindenblütenhonig“ sind erlaubt. Im Zusammenhang mit der Sortenbezeichnung muss immer das Wort „-honig“ auftauchen.

 

Zusätzlich gilt: „Vorsicht bei Phantasienamen wie z.B. Betonhonig, Gartenhonig, Imkerhonig, das sind keine Verkehrsbezeichnungen. Bei diesen Begriffen muss an anderer Stelle die Verkehrsbezeichnung aufgeführt werden, im gleichen Sichtfeld wie die Mengenangabe“, sagt Birgit Lichtenberg-Kraag.

 

Unterscheidungen zwischen Bezeichnungen mit dem Wort „Blüte“ oder „Tracht“ im Namen richten sich übrigens danach, ob sich der Honig aus Nektar verschiedenster Blüten (Frühjahrsblüte, Sommerblüte)zusammensetzt oder sowohl Nektar als auch Honigtau in unterschiedlichen Anteilen beinhaltet (Frühtracht, Sommertracht). Wer seinen Honig im Labor analysieren lässt, bekommt meist einen genauen Hinweis auf die Bezeichnung mitgeliefert.

 

Eine weitere Unterscheidung betrifft die Art der Honiggewinnung – ob er geschleudert oder gepresst wurde, ob er als Wabenhonig aus den Rähmchen ausgeschnitten oder ob er als Tropfhonig so wenig wie möglich bearbeitet wurde. „Waben- und Scheibenhonig, Honig mit Wabenstücken und gefilterter Honig muss als solcher benannt werden“, sagt die Wissenschaftlerin. Alle anderen Gewinnungs- oder Bearbeitungsarten müssen nicht aufs Etikett.

 

In Anbetracht der vielen Honige, die sie jedes Jahr auch auf Geschmack, Konsistenz, Geruch und viele andere Kriterien untersucht, erkennt sie Unterschiede hierbei sofort. Auch sogenannter Backhonig, der nur zum Backen und Kochen sowie für die industrielle Verarbeitung z.B.als Zutat für andere Lebensmittel verwendet werden darf, fällt ihr nach der Analyse schnell auf. Auch die Bezeichnung „Backhonig“ muss als Verkehrsbezeichnung aufs Etikett. Für diesen Honig gilt auch die Honigverordnung, allerdings werden andere Grenzwerte für Wassergehalt, Gehalt an freien Säuren festgelegt bzw. bei Diastase und HMF gibt es keine. Auch sind bei Backhonig Fremdaromen, Gärung und Hitzeschädigung zulässig“, sagt Birgit Lichtenberg-Kraag.

 

Verwirrend scheint auch immer wieder die Frage, wann es sich wirklich, um einen Sortenhonig handelt. Grundsätzlich gilt: Wenn der Nektaranteil einer Pflanze muss mindestens zu 60 Prozent im Honig enthalten sein. Das entspricht normalerweise einem Pollenanteil von 45Prozent. Doch keine Regel ohne Ausnahme: Bei Raps müssen es beispielsweise 80 Prozent sein und bei Robinie genügen 20 Prozent. Hier lohnt ein Blick in die Honigverordnung Leitsätze für Honig.

 

Das Ursprungsland: „Deutscher Honig“ wie es auf den Etiketten des Deutschen Imkerbunds steht, ist eine Variante der korrekten Bezeichnung des Herkunftslands – und beinhaltet sogleich die Verkehrsbezeichnung. Doch es geht auch anders, solange das Herkunftsland eindeutig erkennbar ist. Varianten sind „Herkunftsland Deutschland“ oder „Honig aus Deutschland“. Aber schon bei Abwandlungen wie „100 Prozent aus Deutschland“ ist sich auch die Expertin nicht sicher, ob es eindeutig genug ist. Auch „Deutschland“ nur in der Adresse aufzuführen, genügt den Vorschriften nicht.

 

Die Angabe einer Stadt oder Region ist zusätzlich möglich, darf aber das Herkunftslands nicht ersetzen. Es genügt also nicht „Berliner Honig“ zu schreiben und davon auszugehen, dass damit klar ist, dass der Honig aus Deutschland kommt.

 

Name und Anschrift: Auch hierbei braucht es eine genaue Bezeichnung und die Möglichkeit für den Verbraucher, mit dem Imker oder Honigverkäufer Kontakt aufzunehmen. Konkret bedeutet das: Weder genügt ein Hinweis auf eine Internetseite, auf der Name und Anschrift genannt sind noch eine reine Firmenbezeichnung ohne Adresse. Es braucht eine konkret genannte Person und deren Anschrift. „Bei einer Firmenbezeichnung sollte zusätzlich auch der Name des Imkers dabei stehen, außer die Imkerei ist offiziell unter diesem Namen als Gewerbe angemeldet“, rät Birgit Lichtenberg-Kraag. Die Anschrift diene der eindeutigen Identifikation des Herstellers z.B. bei Reklamationen oder auch bei Marktkontrollen.

 

Die Füllmenge: Hierbei ist dem Gesetzgeber die Lesbarkeit der Angabe besonders wichtig. Natürlich muss das angegebene Gewicht des Honigs stimmen. Um das zu gewährleisten muss der Imker eine geeichte Waage verwenden.Dazu kommt aber auch, dass der Honigkäufer schnell und einfach auf dem Glas erkennen muss, wie viel drin ist. Deshalb gibt es für die Füllmenge die klare Vorgabe: die Schrift muss mindestens vier Millimeter groß sein.

 

Lange gab es nur für diesen Teil des Etiketts Vorgaben zur Schriftgröße. Doch das hat sich geändert. Nach dem Lebensmittel Informationsgesetz gibt es jetzt auch Vorgaben für alle anderen verpflichtenden Angaben: Ist die Oberfläche des Honigglases größer als 80cm2 müssen alle diese Angaben eine Schriftgröße von 1,2mm bezogen auf das kleine „x“ haben, damit die Lesbarkeit sichergestellt ist. Bei einer kleineren Oberfläche ist die x-Höhe mindestens 0,9mm. „Das trifft wahrscheinlich nur auf ein 30g-Glas zu“, sagt Birgit Lichtenberg-Kraag.

 

Das Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD): Genannt werden muss immer die komplette Angabe „mindestens haltbar bis ...“ - ohne Abkürzungen. Für Tag, Monat und Jahr gibt es unterschiedliche Formen zur Darstellung: Man kann das tagesgenaue Datum angeben. Da Honig zu den Lebensmitteln zählt, deren Mindesthaltbarkeit mehr als drei Monate beträgt, kann die Angabe des auch Tages entfallen und man schreibt „Mindestens haltbar bis Ende XX.20XX“. Wenn man von einer Haltbarkeit von mindestens 18 Monaten ausgeht, kann man auch nur das Jahr nennen und schreiben: „Mindestens haltbar bis Ende 20XX. Bei diesen beiden Varianten darf aber das Wort „Ende“ vor dem Datum nicht vergessen werden

 

„Der Imker kann grundsätzlich selbst wählen, welche Mindesthaltbarkeitsdauer er hier angibt“, erklärt die Wissenschaftlerin. Er muss sich aber im Klaren sein, dass er für die angegebene Zeit haftet und der Honig in dieser Zeit in einwandfreiem Zustand bleiben muss. Der Deutsche Imkerbund empfiehlt zwei Jahre anzugeben. Birgit Lichtenberg-Kraag weist darauf hin, dass aber z.B. bei einem Wassergehalt über 18 Prozent es empfehlenswert ist ein kürzeres Mindesthaltbarkeitsdatum zuwählen. Ein solcher Honig kann während der Lagerung in Gärung übergehen. „Ein Imker sollte bei der Wahl des MHDs immer seine Lagerbedingungen im Auge behalten“, rät sie.

 

Eine Loskennzeichnung: Die Loskennzeichnung dient der Rückverfolgbarkeit, genauer gesagt soll damit im Fall, wenn etwas mit dem Honig nicht stimmt – er zum Beispiel gärt und ein Kunde sich beschwert – herausgefunden werden können, wann genau der Honig abgefüllt wurde und ob Honig der gleichen Charge (das heißt: alle Lebensmittel, die unter identischen Bedingungen erzeugt, hergestellt oder verpackt wurden) auch dieselben Probleme aufweist.

 

Entfallen kann die Loskennzeichnung, wenn auf dem Etikett ein tagesgenaues Mindesthaltbarkeitsdatum angegeben ist. Dieses dient quasi als Los. Aber Achtung: „Verschiedene Abfüllungen bzw. Lose müssen auch eine anderes Mindesthaltbarkeitsdatum haben. Und das alles muss auch nachvollziehbar dokumentiert werden“, sagt die Expertin.

 

Man kann zusätzlich auch Rückstellproben von allen Abfüllungen anfertigen und sich damit absichern. Dies sei empfehlenswert aber nicht vorgeschrieben, sagt Birgit Lichtenberg-Kraag und weist darauf hin, dass man diese dann bei optimalen Bedingungen lagern sollte, um bei möglichen Reklamationen nachweisen zu können, dass das verkaufte Produkt in Ordnung war. Aufbewahren sollte man sie mindestens bis zum Ablauf der Mindesthaltbarkeit.

 

Die Rückstellprobe muss genau die gleichen Angaben enthalten wie die anderen Gläser der Charge. Die Gläser einer Charge werden wiederum alle mit demselben Los gekennzeichnet. Die Angabe muss aus einer Buchstaben-Kombination, Ziffern-Kombination oder Buchstaben-/Ziffern-Kombination bestehen. Das Los beginnt immer mit dem Buchstaben "L" bzw. wird dieses vorangestellt.

 

Zusätzliches fürs Honigetikett

 

Pfand oder grüner Punkt („Mehrwegglas“): Grundsätzlich ist es so, dass Imker sich entweder dem Dualen System anschließen oder auf die Rücknahme des Glases hinweisen müssen - entweder auf dem Etikett oder an einer anderen Stelle, die dem Honigkäufer sichtbar ist. Dabei entfällt die Pflicht, Abgaben an das Duale System zu zahlen allerdings nur dann, wenn man ein wirkliches Mehrwegsystem bereitstellt und nachweisen kann, dass man auch wirklich alle Gläser wiederverwendet.

 

Wer das D.I.B.-Glas verwendet, muss laut dem Deutschen Imkerbund keine Abgaben bezahlen. Eine Bagatellgrenze gibt es übrigens nicht, wenn man nur wenige Honiggläser in den Umlauf bringt. Für die Gläser, die man beim Händler kauft und wieder an Endkunden - gefüllt mit Honig - weiterverkauft, muss man die Entsorgung bezahlen.

 

Wichtig ist dabei jedoch das "Erstinverkehrbringen". Es kann also sein, dass bereits der Verkäufer der leeren Honiggläser eine Lizenz für den Verkauf erworben hat. Ob es so ist und die Pflicht für den Imker entfällt, sollte deshalb jeder mit dem Glaslieferanten abklären. Da die Hersteller der Verpackungen unterschiedlich eingestuft sein können, kann es sich unterscheiden, ob sie selbst eine Lizenz für das Duale System haben müssen oder nicht. Mehr dazu ist hier zu lesen.>>>

 

Preis je Glas und je kg: Preisangaben gehören nicht zu den „verpflichtenden Angaben“.

 

Verbotene Formulierungen: „Da gibt es eine ganze Reihe“, sagt Birgit Lichtenberg-Kraag – etwa „wabenecht, kaltgeschleudert, naturrein (nicht naturbelassen)“. Man bezeichne dies als „Werbung mit einer Selbstverständlichkeit“, bzw. nach dem Lebensmittel Informationsgesetz fällt es unter den Punkt „Lauterkeit der Informationspraxis“. Danach dürfe keine irreführenden Informationen auf dem Produkt angebracht werden – gemeint seien vor allem Eigenschaften und „besondere Merkmale, die auch alle vergleichbaren Lebensmittel haben“. Auch „echter“ deutscher Honig falle darunter. „Nur für den DIB gilt dafür aufgrund der langen Tradition eine Ausnahmeregelung“, so die Wissenschaftlerin.

 

Die Irreführung kann auch für bestimmte Bilder gelten. „Also Vorsicht, wenn z.B. eine Sonnenblume auf dem Glas abgebildet ist und der Honig aber von einer anderen Tracht stammt“, sagt sie.

 

Anweisungen für die Aufbewahrung: Im Lebensmittel Informationsgesetz heißt es: „Erfordern Lebensmittel besondere Aufbewahrungsbedingungen…, müssen diese angegeben werden.“ Da der Imker mit dem MHD den Zeitraum angibt, für den er die Qualität seines Honigs gewährleistet, sollte er auch Angaben zu Lagerbedingungen machen. Denn diese sind die Voraussetzung, dass der Honig seine Qualität behält. Birgit Lichtenberg-Kraag rät zur Angabe: „Bitte kühl, dunkel und trocken lagern“.

 

Sorgfalt ist gefragt

 

Wer gegen die Vorgaben fürs Honigetikett verstößt, begeht übrigens eine Ordnungswidrigkeit und muss meist eine Geldstrafe zahlen, wenn das Honigglas in die Hände eines Kontrolleurs gerät und dieser falsche Angaben findet.

 

Birgit Lichtenberg-Kraag ist nur ein Fall bekannt, bei dem gegen den Imker Strafanzeige wegen einem Verstoß gegen das Lebensmittel- und Futtermittelgesetzbuch ermittelt wurde. Dabei ging es um das Inverkehrbringen von unreifem Honig. „Es war vermutlich eine Gefährdung der Gesundheit angenommen worden, wodurch es dann zur Straftat wurde.“

 

Auch eine falsche Sortenbezeichnung wäre übrigens eine Ordnungswidrigkeit. Und diese wird oft begangen: Bei den Honigen mit Sortenangabe, die wir untersuchen, macht das etwa 50 Prozent der Proben aus“, sagt die Honigexpertin. Häufig falsch gemacht wird zudem, dass Regionalangaben oder die Angabe des Bundeslands als Ursprungsland genannt wird oder dass das Mindesthaltbarkeitsdatum in falscher Form angegeben ist.

 

Wer seinen Honig im Länderinstitut in Hohen-Neuendorf untersuchen lässt, bekommt auch Hinweise auf Fehler auf dem Etikett – selbstverständlich ohne Anzeige einer Ordnungswidrigkeit.

 

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