Jakobskreuzkraut: Wie belastet ist der Honig?

Wenn Bienen Nektar und Pollen an den Blüten des Jakobskreuzkrauts sammeln, gelangen auch die sogenannten Pyrrolizidinalkaloide (PAs) in den Honig. PAs können der Gesundheit schaden. Doch wie groß sind die Gefahren wirklich?

 

Geschrieben von Jana Tashina Wörrle

 

Die Blüten des Jakobskreuzkrauts sehen ein bisschen aus wie die der Kamille, allerdings in einem leuchtenden Gelb. Die Blätter erinnern an Grünkohl. Hübsch. Aber auch gefährlich. Denn das Kraut hat es in sich und da es sich in Deutschland ausbreitet, sorgt es immer wieder für Schlagzeilen. Fakt ist, dass Jakobskreuzkraut sowohl für Tiere als auch für Menschen gesundheitsschädigend wirken und das es auch in Nahrungsmittel – unter anderem in Honig – gelangen kann. Doch hinter den zahlreichen Medienberichten über das giftige Kraut, steckt auch ein Teil Panikmache.

 

Beim Honig zeigt sich das ganz klar, denn die Blüten des Jakobskreuzkrauts sind nicht besonders attraktiv für Bienen und Imker können ganz gezielt dafür sorgen, dass ihre Bienen Nektar und Pollen des viel kritisierten Korbblütlers so wenig wie möglich sammeln.

 

Das, was das Jakobskreuzkraut in die Kritik bringt, ist einerseits die Tatsache, dass es sich in den vergangenen Jahren hierzulande sehr stark ausgebreitet hat, und andererseits, dass die Pflanze sogenannte Pyrrolizidinalkaloide (PAs) enthält, die die Leber schädigen können, wenn man sie isst. Besonders schädlich ist es für Pferde, Kühe und Schweine. Der Mensch kann zwar auch ernsthafte Gesundheitsschäden durch das Kraut erleiden, doch die Wahrscheinlichkeit des direkten Verzehrs ist sehr gering.

 

Kein gesetzlich festgelegter Höchstwert für PAs in Honig

 

Schlagzeilen macht das Kraut anfangs vor allem, weil Landwirte vor der Ausbreitung warnten und Angst um ihre Tiere haben. Dann kamen die Berichte über PA-belastete Lebensmittel. Standen erst vor allem verunreinigte Kräutertees im Fokus, denn Jakobskreuzkraut wächst auch mitten auf Teeplantagen und wird so auch mit geerntet. Gab es dann die ersten Meldungen über Honig als eine der Hauptquellen, über die der Mensch PAs aufnimmt. So warnt auch bis heute das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR), dass Honig bei Kindern und Erwachsenen „einen nicht zu vernachlässigenden Einfluss auf die PA-Gesamtaufnahme“ hat. In einer Stellungnahme des Instituts heißt es jedoch, ganz klar weiter: „Ein akutes Gesundheitsrisiko besteht hier jedoch nicht.“ Das BfR sieht ganz klar Tees als Hauptquelle für die PA-Exposition an.

 

Eigentlich schützt sich das Jakobskreuzkraut mit den PAs auf natürliche Weise davor gefressen zu werden. Doch die Bienen sammeln – vor allem dann, wenn sie in der Umgebung kaum andere Nahrung finden können – manches Mal eben auch den Nektar und Pollen der Pflanze und auch dieser enthält die Giftstoffe. Einen gesetzlich festgelegten Höchstwert für PAs in Honig gibt es derzeit dennoch nicht – allerdings einen Richtwert, den das schleswig-holsteinische Verbraucherschutzministerium auf Basis der toxikologischen Bewertung durch das BfR und der Nationalen Verzehrstudie II errechnet hat.

 

So empfiehlt das BfR, eine dauerhafte tägliche Aufnahmemenge von 0,007 μg PAs pro kg Körpergewicht nicht zu überschreiten. Nimmt man nun die durchschnittliche Verzehrmenge von Honig in Deutschland von rund drei Gramm pro Tag als Grundlage und geht von einem 60 Kilogramm schweren Menschen aus, so sollte diese Menge Honig einen PA-Gehalt von 0,42 μg nicht überschreiten. Anders ausgedrückt: Ein Kilogramm Honig sollte nicht mehr als 140 μg/kg PAs enthalten.

 

Nur Honige mit höheren PA-Gehalten sind demnach für einen dauerhaften täglichen Verzehr nicht geeignet. Und genau solch stark belasteten Honige sind bisher in Deutschland noch eher selten. Da sich das Jakobskreuzkraut hierzulande vor allem in den westlichen Bundesländern und besonders stark im Norden ausbreitet, stammt die aktuellste und umfassendste Honiguntersuchung zu diesem Thema aus Schleswig-Holstein – ganz konkret vom Jakobs-Kreuzkraut-(JKK-)Kompetenzzentrum der Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein. Hier werden im Rahmen des Forschungsprojektes „Blüten für Bienen“ seit 2014 jährlich regional erzeugte Sommerhonige auf die PA-Belastung geprüft. Ergebnisse von mehreren Jahren liegen nun vor.

 

Für das Projekt schicken Imkerinnen und Imker ihre Sommerhonige an ein akkreditiertes Prüflabor und lassen sie dort auf 30 verschiedene PAs untersuchen. Die Analyseergebnisse werden im JKK-Kompetenzzentrum zusammen mit anderen PA-relevanten Parametern ausgewertet. Der Probenumfang ist seit 2014 (86 Proben) über 2015 (194 Proben) und 2016 (285 Proben) auf 350 Proben im Jahr 2017 angewachsen. Dabei zeigten sich laut Dr. Aiko Huckauf, dem Leiter des JKK-Kompetenzzentrums der Stiftung Naturschutz, große Schwankungen von Jahr zu Jahr. Im Jahr 2014 wurden in rund der Hälfte der untersuchten Sommerhonige PAs nachgewiesen, im Jahr 2015 in knapp einem Drittel, im Jahr 2016 in drei Vierteln. Für das laufende Jahr lässt sich noch keine Aussage treffen, da bei weitem noch nicht alle Projekthonige untersucht worden sind.

 

PAs: Honiganalysen zeigen die Belastung

 

Dabei heißt „nachgewiesen“ jedoch nicht, dass die Belastungen besonders hoch waren. Denn auch bei den PA-Gehalten gab es große Unterschiede: In den Jahren 2014 und 2015 traten Honige mit einem PA-Gehalt über dem Richtwert 140 μg/kg nur in wenigen Einzelfällen auf. Im vergangenen Jahr 2016 war dies jedoch bei etwa jeder sechsten Probe der Fall. Lag der höchste Messwert 2014 bei 560 und 2015 bei 445 μg/kg, so konnte 2016 ein Wert von 7381 μg/kg gemessen werden. Dennoch möchte Aiko Huckauf nicht unerwähnt lassen: „In allen drei Jahren standen einer Vielzahl un- bzw. gering belasteter Honige nur wenige hoch belastete Honige gegenüber.“ Zudem muss man auch wissen, dass die nachgewiesenen PAs nicht nur vom Jakobskreuzkraut stammen, auch wenn dieses den Untersuchungen zufolge wohl die wichtigste Quelle ist. So sammeln die Bienen auch an Pflanzen wie Boretsch, Beinwell, Natternkopf und Wasserdost Nektar und Pollen, der PAs enthält.

 

Eine Zunahme der PA-Belastung mag vor allem an der Ausbreitung des Jakobskreuzkrauts liegen, die sich laut Huckauf übrigens nicht auf Schleswig-Holstein beschränkt. Auch wenn das anders anmutet, ist Jakobskreuzkraut übrigens eine einheimische Pflanze und zählt nicht zu den sogenannten Neophyten. Diese stammen ursprünglich aus dem Ausland und gelten als invasiv, wenn sie sich so schnell ausbreiten, dass sie andere Pflanzen verdrängen. Der Korbblütler Jakobskreuzkraut ist in ganz Europa – außer in Skandinavien – flächendeckend verbreitet und breitet sich auch überall immer mehr aus. Die Behörden und die Forschung verzeichnen seit Anfang der 1990er Jahre eine Zunahme der Bestände. Das Kraut breitet sich vor allem dort aus, wo offener Boden die Etablierung neuer Pflanzen ermöglicht – also eher auf Weiden, an Straßenböschungen, Wegrändern und Bahndämmen sowie auf Brachen, Ausgleichsflächen und Bauerwartungsland. Jakobskreuzkraut braucht trockene, sandige Standorte und wächst deshalb auch gerne an Straßen-, Weg und Feldrändern.

 

Über die Gründe der rasanten Ausbreitung wird bislang nur spekuliert. Einerseits könnte es an der Klimaerwärmung liegen. Andererseits wird vermutet, dass Samen des Krauts in Saatmischungen enthalten waren, die in Deutschland und auch in anderen Ländern sehr häufig verkauft und auch von vielen Städten und Gemeinden ausgestreut wurden, um Straßenränder und Böschungen zu befestigen. Diskutiert wird aber auch, ob die Zunahme des Stickstoffs in der Luft – durch eine zunehmende Stickstoffdüngung – sowie die Zunahme der Phosphor-Sättigung im Boden durch langjährige intensive Düngung sich positiv auf die Vermehrung des Jakobskreuzkrauts auswirken.

 

Letztlich kennt man die Ursache der Ausbreitung aber noch nicht vollständig. „Nach meinem Dafürhalten ist es eine arttypische Entwicklung“, bringt Aiko Huckauf mit in die Diskussion. Jakobskreuzkraut werde in der Literatur als eine "notorisch zyklische" Art beschrieben, bei der auf eine jahrzehntelange Latenzphase eine explosionsartige Populationszunahme folgt, die zur Ausbildung großer bis massenhafter Bestände führt. „Diese brechen nach zwanzig bis dreißig Jahren wieder zusammen, und es schließt sich die nächste Latenzphase an“, erklärt er.

 

Jakobskreuzkraut: Stopp Nichtstun seine Ausbreitung?

 

Wegen der starken Ausbreitung haben hierzulande bereits einige Städte und Gemeinden dazu aufgerufen, das Kraut auszurupfen oder auszustechen. Wer das tut, sollte dabei allerdings Handschuhe tragen. Nicht wegen der PAs – eine PA-Vergiftung durch Hautkontakt ist nach Ansicht von Experten nicht zu befürchten –, sondern weil die in der Pflanze enthaltenen Bitterstoffe, sogenannte Sesquiterpenlactone, bei empfindlichen Menschen allergische Reaktionen hervorrufen können. Außerdem raten die Behörden, das Jakobskreuzkraut in der Restmüll- oder der Biotonne zu entsorgen, damit es nicht – etwa über den heimischen Kompost –zurück in den Naturkreislauf gelangt.

 

Sprechen die einen mittlerweile von der Plage Jakobskreuzkraut, so sehen andere die Maßnahmen gegen die Ausbreitung skeptisch. Naturschutzverbände verweisen auf die Notwendigkeit, das Jakobskreuzkraut als Teil der Artenvielfalt zu erhalten und warnen auch davor, das Kraut zu sehr zu verteufeln. Statt auf zu radikale Maßnahmen sollte man eher die natürlichen Kreisläufe und auch die natürliche Gegenspieler des Krauts unterstützen, lautet eine Forderung. Beispiele für natürliche Gegenspieler: Jakobskrautbär (Tyria jacobaeae) – ein Schmetterling, der im Raupenstadium gerne das Kraut frisst, Jakobskreuzkraut-Flohkäfer (Longitarsus jacobaeae), die Kreuzkraut-Gallmücke (Contarinia jacobaeae) oder die Jakobskreuzkraut-Blattlaus (Aphis jacobaeae).

 

Die gestiegene Häufigkeit, mit der man das Jakobskreuzkraut heute findet, sagt auch laut Huckauf noch nichts über die Bestandsgrößen aus. So hat es nach den Beobachtungen des Wissenschaftlers sowie Berichten einiger Pächter der Flächen seiner Stiftung gerade in diesem Jahr deutliche Bestandseinbrüche gegeben – und zwar vor allem dort, wo noch nie Maßnahmen wie Ausreißen oder -stechen, Mahd oder Mulchen gegen die Bestände durchgeführt worden sind. „Unseren Beobachtungen zufolge dürften dabei die natürlichen Gegenspieler eine entscheidende Rolle spielen“, sagt Huckauf und weist darauf hin, dass noch nicht klar sei, ob dieses Phänomen, das viele, aber nicht alle Flächen betrifft, eine Besonderheit dieses Jahres ist oder der Beginn einer mittel- und langfristigen Entwicklung.

 

PAs im Honig: Was Imker tun können

 

Auch Imker selbst können einiges gegen die entstandene Panikmache tun. So werfen Kritiker den Imkerkreisen mittlerweile schon vor, dass diese ihren Honig selbst in Verruf bringen, wenn sie zu stark auf das giftige Jakobskreuzkraut hinweisen und beispielsweise dazu aufrufen, das Kraut zu vernichten

 

Zudem können sie gezielt lenken, dass die Bienen so wenig wie möglich an den Pflanzen sammeln, die PAs enthalten. Zwar ist ein Problem dabei, dass Jakobskreuzkraut erst spät im Sommer blüht – dann, wenn die Bienen oft kaum mehr andere attraktive Blüten finden. Es beginnt erst Anfang Juli zu blühen und erreicht seine Vollblüte meist zum 25. Juli, dem sogenannten Jakobstag. Deshalb besteht aber auch nur für die Sommertracht ein relativ kurzes Risiko des direkten Eintrags der PA und nicht im Frühtrachthonig. So zeigte sich die PA-Belastung in den Honiganalysen eindeutig auch nur bei den Honigen aus den Sommertrachten. Imker, die vor dem Blühbeginn abschleudern, müssen also kaum mit einer PA-Belastung durch das Jakobskreuzkraut rechnen.

 

Oder man bietet den Bienen zur Blühzeit des Jakobskreuzkrauts Alternativtrachten an. Auch deren Wirkung hat die Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein untersucht. Dabei legten sie den Fokus auf Trachten von Linde, Brombeere, Weißklee und Honigtau. Dabei zeigte sich, dass sowohl die Anwesenheit der Linde als auch das Vorkommen von Tautrachten zu einer signifikant geringeren PA-Belastung führt. Die anderen Einzeltrachten hatten laut Aiko Huckauf jeweils einen gewissen, aber keinen signifikanten Einfluss.

 

Wirkung zeigte in den Messungen dagegen, wie dicht die Bienen am blühenden Jakobskraut stehen. So fanden die Wissenschaftler vor allem dann eine PA-Belastung, wenn im Nahbereich der Bienenstände Massenvorkommen von Jakobskreuzkraut zu finden waren. Im Moment testen sie noch eine weitere Maßnahme, die helfen soll, den PA-Eintrag zu reduzieren: der Einsatz von Halbzargen. Da die Waben dabei schneller ausgebaut, mit Honig gefüllt und verdeckelt werden, können Imker damit auch kurze Trachten besser nutzen. So kann direkt nach dem Blühende einer Tracht der Honig geschleudert werden und die Bienen kommen gar nicht in die Versuchung noch nach weiteren Nahrungsquellen zu suchen, deren Nektar sie im Honigraum einlagern.

 

Ein wichtiger Fakt zum Schluss: Für die Bienen selbst sind die Pyrrolizidinalkaloide (PAs) komplett ungefährlich.

 

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