Im Dschungel der Varroa-Medikamente

Immer mehr Medikamente gegen die Varroa-Milbe sind auf dem Markt. Doch welche Wirkstoffe haben sie? Wann darf man sie wie einsetzen? Und stimmt es wirklich, dass die Bienen beginnen, resistent zu werden gegen die Behandlungsmittel? Was hilft noch gegen die Varroa-Milbe? Ein aktueller Überblick.

 

Geschrieben von Jana Tashina Wörrle

Im Sommer einmal oder höchstens zwei Mal per Schwammtuch mit 60-prozentiger Ameisensäure und etwa um Weihnachten herum Oxalsäure-Zuckerlösung träufeln: Dieses einst verbreite Behandlungskonzept vieler Imker funktioniert kaum noch. Ob unsichere Wetterlage, mehr Bienen in der nahen Umgebung oder die Tatsache, dass ein jahrelanger Einsatz der gleichen Medikamente Spuren hinterlässt: Vieles hat sich gewandelt und wird immer stärker in Frage gestellt. Die Zahl der zugelassenen Medikamente – vor allem auf der Basis von organischen Säuren – hat zugenommen und macht es gerade für die vielen Neuimker kompliziert, sich für das richtige zu entscheiden, um den Feind Nummer eins der Honigbiene zu bekämpfen: die Varroa-Milbe.

 

Immer mehr Varroa-Medikamente auf dem Markt

 

„In der Tat sind in den letzten Jahren einige neue Varroazide zugelassen worden und bieten Imkern mehr Wahlmöglichkeiten. Wesentlich sind dies jedoch Zulassungen schon längst verfügbarer Wirkstoffe, aber in anderer Konfektionierung und/oder erweiterter Anwendungsmöglichkeit“, erklärt dazu Dr. Otto Boecking vom LAVES Institut für Bienenkunde Celle. Wirklich neu sei nur das Mittel Apitraz mit dem Wirkstoff Amitraz.

 

Im Infobrief der Bieneninstitute wurde erst kürzlich eine aktuelle Übersicht zu den in Deutschland zugelassenen Varroa-Medikamenten und deren Anwendung veröffentlicht. Auch das zeigt, dass bei diesem Thema ein paar Unsicherheiten in der Imkerszene entstanden sind. Hier gelangen Sie zur aktuellen Übersicht. >>>

 

Der Bienenpathologe Boecking erklärt, warum die Anzahl der Medikamente gestiegen ist: „Ein Teil der neuen Varroazide haben eine europäische Zulassung erhalten und sind damit auch in Deutschland zugelassen.“ Von einem Therapienotstand könne man nun wahrlich nicht sprechen. Andererseits warnt er auch davor, dass Imker nun versuchen sich durch die Vielzahl der Medikamente zu testen. Viele Imker seien ständig auf der Suche nach etwas Neuem, statt sich auf ein Konzept zu konzentrieren. „Zudem verfallen offensichtlich einige Imker „Heilsbringern“ und „Halbgarem“ aus dem Internet, statt sich an dem Beratungsangebot der Bieneninstitute zu orientieren“, sagt er und weist darauf hin, dass man immer darauf achten sollte, ob die Basis einer Empfehlung auf wissenschaftlichen Untersuchungen beruhe.

Varroa-Milben werden resistent gegen einige Mittel

 

So könne man die Frage danach, welche Mittel geeignet sind und welche nicht, auch nicht generalisierend sagen. „Entscheiden ist eher das richtige Varroazid zum richtigen Zeitpunkt“, erklärt Boecking. Letzteres bezieht sich sowohl auf die Umgebungsbedingungen wie Temperatur und Luftfeuchte, als auch auf den Zustand der zu behandelnden Völker, also ob Brutfreiheit vorliege oder nicht. Er ergänzt dennoch: „Wir raten eher nicht zu Varroaziden, deren Wirkstoffe fettlöslich sind und sich somit im Bienenwachs anreichern können.“ Ansonsten sollte jeder Imker die Wahl des Varroazides bzw. der Kombination verschiedener Varroazide einzig am Überwinterungserfolg seiner Bienenvölker messen.

 

Grundsätzlich gilt dabei: Alle Anwendungen auf der Basis von Ameisensäure wirken auch bei Bienenvölkern, die nicht brutfrei sind, dafür kann die Säure aber Bienen schädigen, wenn sie zu schnell verdampft – etwa, wenn die Temperaturen zu hoch sind und die Luftfeuchtigkeit sehr niedrig ist. Auch dazu, für welche anderen Verfahren und Medikamente eine Brutfreiheit nötig ist, gibt die Übersicht der Bieneninstitute Auskunft.

 

Immer wieder wird im Zusammenhang mit der Behandlung der Bienen gegen die Varroa-Milbe über Resistenzen diskutiert, die sich bilden, weil Imker Medikamente zu oft einsetzen und diese zu hoch dosieren. Auch Otto Boecking sagt ganz klar: „Von einer Strategie zur Vermeidung der Resistenzbildung kann hier in Deutschland und anderswo leider nicht die Rede sein.“ Potential zur Resistenzbildung bei den Varroa-Milben haben seiner Ansicht nach aber wesentlich die Wirkstoffe Amitraz, die Pyrethroide Flumethrin und Fluvalinat, Coumaphos und auch Thymol und nicht die organischen Säuren. Der Bienenpathologe weist ganz klar darauf hin, dass die Bekämpfung der Varroamilbe nicht auf die Anwendung von Medikamenten reduziert sein darf, sondern nur ein Teil der imkerlichen Betriebsweise sein müsse.

 

Boecking hat gemeinsam mit anderen Bienenforschern der Universitäten Bochum und Hohenheim eine modulare imkerliche Betriebsweise entwickelt, bei der Elemente von zwei klassischen Betriebsweisen zusammengeführt wurden, aus dem Celler Rotationsverfahren und der Modernen Hohenheimer Betriebsweise. „Bei dieser Betriebsweise wird nach dem Schadschwellenprinzip behandelt. Es reicht, wenn die Schadschwelle überschritten ist, Völker mit Brut dann bei sonst günstigen Umgebungstemperaturen und niedriger Luftfeuchte mit Ameisensäure zu behandeln und brutfreie Völker mit Oxalsäure als Träufel- und/oder Sprühbehandlung“, erklärt er. Infos zu diesem Verfahren gibt es hier.>>>

 

Biotechnik im Bienenstock

 

Aufgrund der Diskussion über Varroa-Milben, die beginnen resistent zu werden gegen die Medikamente, gewinnen auch biotechnische Verfahren immer mehr an Aufmerksamkeit. Zwar wenden viele Imker diese bereits an, doch ein Bewusstsein dafür, dass man damit gezielt auch den Medikamenteneinsatz zurückfahren kann, entsteht teilweise erst jetzt.

 

Zu den biotechnischen Verfahren gehören sowohl das Ausschneiden der Drohnenrahmen als auch die Ablegerbildung bzw. Schwarmvorwegnahme. Besonders wichtig ist zudem das Schaffen eines zwischenzeitlichen brutfreien Zustands, um die Vermehrung der Milben zu stoppen. Dazu dienen die Brutunterbrechung durch das Käfigen der Bienenkönigin oder die komplette Brutentnahme. Man kann aber auch auf eine sogenannte Bannwabe ins Bienenvolk hängen, auf der die Königin für einige Zeit „gesperrt“ wird. Tipps zu diesen Verfahren gibt es hier.>>>

 

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