So wichtig ist der Wetterbericht für Imker

Was blüht? Brauchen die Bienen Futter oder nicht? Wann kann ich Honig ernten und wann ist ein guter Zeitpunkt für die Varroa-Behandlung? Antworten auf all diese Fragen und noch viele mehr bekommen Imker vom Wetterbericht. So nutzt man ihn richtig und diese speziellen Online-Hilfsmittel gibt es.

 

Geschrieben von Jana Tashina Wörrle

 

Wie wird das Wetter heute, wie sieht es in den kommenden Tagen aus und gibt es schon Prognosen für den ganzen Monat oder gar die ganze Bienensaison? Das Wetter hat einen enormen Einfluss auf die Imkerei und man sollte es gut im Auge behalten. Das raten auch Experten wie Dr. Christoph Otten vom Fachzentrum Bienen und Imkerei in Mayen. Dennoch darf man die manchmal sehr weit gefassten Vorhersagen der zahlreichen Wetterdienste und der unzähligen Online-Angebote nicht zu ernst nehmen bzw. muss man sich darauf einstellen, dass sich alles ganz schnell wieder ändern kann – das zeigte sich im vergangenen Monat April am allerbesten, als die Temperaturen teilweise noch sehr stark schwankten.

 

„Einen so starken Kälteeinbruch wie 2017, als viele Apfelblüten wieder sind, wird es in diesem Jahr wohl nicht geben. Dass es jetzt aber noch nicht stabil bei über 20 Grad bleibt, ist normal“, sagt Institutsleiter Otten. Er rät Imkern, den Wetterbericht zwar zu verfolgen, aber ihn nicht zu überschätzen und stattdessen die Trachtsituation vor Ort genau zu beobachten. Ein Blick auf die sogenannte Großwetterlage lohne sich für eine Einschätzung für die nächsten zehn Tage – kleine Schwankungen einbezogen. Darüber erfährt man, welche Hoch- oder Tiefdruckgebiete uns in den nächsten Tagen erreichen und eine Wetteränderung bewirken können. Langfristigere Wettervorhersagen sollte man aus Sicht des Bieneninstitutsleiters aber nicht zu ernst nehmen bzw. die Aktivitäten in der Imkerei nicht zu starr daran ausrichten.


Ergebnissen von 250 Stockwaagen bundesweit

 

Um die Trachtsituation für den eigenen Standort einzuschätzen und damit beispielsweise im Frühjahr auch eine Entscheidung fällen zu können, ob die Bienen nochmals Futter brauchen oder ab wann im Jahr für den Winter eingefüttert werden muss, lohnt sich oftmals der Vergleich mit anderen Regionen und vergangenen Jahren. Dies bietet einerseits der Online-Service „TrachtNet“ des Fachzentrums in Mayen und anderer Bieneninstitute. So kann man erkennen, in welchen Regionen in Deutschland es immer sehr früh im Jahr bereits Nektar und Pollen für die Bienen gibt, weil schon einige Pflanzen blühen. Im bundesweiten „Blühphasenmonitoring“ des Mayener Fachzentrums kann man erkennen, welche Pflanzen und Bäume in einigen Regionen schon Blüten zeigen und man kann dies dann als Vergleich zur eigenen Region heranziehen.

 

Über das TrachtNet, das Christoph Otten gemeinsam mit seinen Kollegen der Agrarmeteorologie aus Rheinland-Pfalz für ganz Deutschland erstellt hat, kann man zudem direkt sehen, ob die Bienen schon Nahrung finden und in den Bienenstock eintragen und wie sich dies ganz aktuell im Vergleich zu anderen Jahren entwickelt. Das ganze beruht auf den Ergebnissen von Stockwaagen an mehr als 250 Standorten bundesweit.

 

Wetterbeobachtung bei der Varroa-Behandlung besonders wichtig

 

Eine ganz besondere Rolle spielt die Wetterbeobachtung aber auch später im Jahr, wenn es um die Behandlung gegen die Varroa-Milbe geht. So braucht man idealerweise trockenes und warmen Wetter, damit die Verdampfung der Ameisensäure – des am häufigste verwendeten Mittels gegen den Parasiten – oder auch von Thymol am besten funktioniert. Es darf allerdings nicht zu heiß sein, denn dann würden die Säuren zu schnell verdampfen und den Bienen eventuell schaden. Ist es wiederum zu feucht, dauert die Verdampfung zu lange und die Konzentration der Säure wird möglicherweise verfälscht. Imker sollten zur Zeit der Behandlung – meist Ende Juli oder Anfang August – dann darauf achten, dass keine Gewitter angesagt sind. Zudem sollten sie möglichst am frühen Morgen oder in den Abendstunden behandeln, wenn – im Falle eines heißen Sommers – die Hitze nicht zu stark ist. Auch für die Varroa-Behandlung hat sich für viele Imker der Blick auf die Website des Fachzentrums bewährt, denn hier gibt es das sogenannte Varroa-Wetter, eine Einschätzung anhand einfacher Symbole, wann das Wetter passend ist für die Anwendung der Ameisensäure. „In den Zeiten, wenn viele Imker eine Behandlung planen, haben wir die höchsten Zugriffe auf unserer gesamten Website im Jahr“, erzählt der Institutsleiter. Denn das Varroa-Wetter ist in der Imkerszene im Vergleich zu anderen Services wie das Trachtnet schon weit verbreitet.

 

Otten ist dennoch manchmal erstaunt, wie wenig viele Imker – vor allem der vielen Neuimker der vergangenen Jahre – die meist kostenlosen Info-Angebote der Bieneninstitute nutzen, die sowohl für die einzelnen nötigen Arbeitsschritte als auch für individuelle Sonderfälle Unterstützung anbieten. „Wir bieten Entscheidungshilfen“, sagt der Bienenexperte, der allerdings nochmals darauf hinweist, dass sich jeder Imker auch auf das verlassen muss, was ihn direkt umgibt und welches Wetter vorherrscht. Wie die aktuelle Bienensaison wird, kann Christoph Otten deshalb auch nicht sicher vorhersagen. Er ist allerdings sehr optimistisch.

 

 

Hier geht es zum Blühphasenmonitoring >>>

 

Hier finden Sie das deutschlandweite TrachtNet >>>

 

Und hier kommen Sie zum Varroa-Wetter >>>

 

 

Bitte geben Sie die Zeichenfolge in das nachfolgende Textfeld ein

Die mit einem * markierten Felder sind Pflichtfelder.

Passende Artikel
Kontaktformular

Persönliche Beratung
030 60058230