Superfood aus dem Bienenstock: Das können Bienenprodukte

 

Superfoods sind Lebensmittel, die angeblich mehr können als andere. Besonders gesund sollen sie sein, eine hohe Konzentration an bestimmten Stoffen aufweisen und so vor ganz bestimmten Krankheiten schützen. Superfoods gibt es auch im Bienenstock bzw. im Sortiment von vielen Imker. Aber was können Honig, Blütenpollen und Gelee Royal wirklich?

 

Geschrieben von Jana Tashina Wörrle

Seit einiger Zeit sind Superfoods wortwörtlich in aller Munde. Ob Chia-Samen, Weizengras-Pulver oder Acerola-Beeren – sie alle und noch viele mehr versprechen eine besondere Wirkung auf die Gesundheit zu haben. Dabei muss man von den Superfoods nur minimale Mengen zu sich nehmen, denn in ihnen konzentrieren sich bestimmte Stoffe wie Vitamine, Mineralien oder Antioxidantien in einer hohen Anzahl. Oft wird jedoch kritisiert, dass die als Superfood verkauften Nahrungsmittel aus fernen Ländern stammen, nicht immer ausreichend kontrolliert werden und sehr teuer sind. Dabei gibt es Superfoods durchaus auch unter den Lebensmitteln, die hierzulande wachsen und hergestellt werden können – auch aus dem Bienenstock.

 

Bienen produzieren Superfood

 

„Bienenprodukte gehören eindeutig in den Bereich „Superfood“, da in ihnen ein hoher Anteil an energetischen und gesundheitsfördernden Stoffen enthalten sind“, bestätigt Arno Bruder, der Vizepräsident des Deutschen Apitherapie Bundes und Fachberater für Imkerei des Bezirks Oberbayern. Seiner Meinung nach stehen dabei insbesondere Honig, Blütenpollen, Bienenbrot und Gelee Royal an erster Stelle. „Im Honig sind über 200 einzelne Bestandteile nachgewiesen, von denen eine Vielzahl für den menschlichen Organismus nachgewiesenermaßen positive Auswirkungen haben“, erklärt er. So hätten beispielsweise Honige, insbesondere der Edelkastanien- und Buchweizenhonig, eine hohen Grad an antioxidativer Wirkung. Antioxidantien senken die Aktivität der „freien Radikale“ und wirken so gegen Herzinfarkt, Schlaganfall, Entzündungen und Krebs. Weiterhin senken sie erhöhte Blutfettwerte. Grundsätzlich sind es vor allem die antibakteriellen und antiviralen Stoffe die den besonderen Wert der Bienenprodukte ausmachen.

 

Arno Bruder erklärt zudem die besondere Wirkung, die man durch den Verzehr von Blütenpollen erzielen könne. So sind im Pollen, den die Bienen gesammelt haben, alle lebensnotwendigen Vitamine, Spurenelemente, Enzyme, Mineralien, Fettsäuren und Proteine enthalten. Durch die tägliche Einnahme von Pollen lassen sich dem Apitherapeuten zufolge zum Beispiel die PSA Werte bei den Männern über 60 Jahre merklich absenken. „Allerdings sollte dieser durch die Zugabe von etwas Zitronensaft aufgespalten werden“, rät er – man sollte also einen Schluck Zitronensaft trinken, wenn den Pollen zu sich nimmt. Laut Bruder führt die tägliche Einnahme von Blütenpollen oder Perga (Bienenbrot) – dem in den Waben eingelagerten und fermentierten Pollen, der über den Speichel der Bienen viele Enzyme zugeführt bekommen hat – ebenso zur merklichen Verbesserung der Leberwerte.

 

Blütenpollen kann täglich auf den Speiseplan – Propolis nicht

 

Der Hype um das Superfood bezieht sich meist auf Nahrungsmittel, die in geringen Mengen zur alltäglichen Ernährung dazu gehören sollten. Jeden Tag Honig zu essen, ist sicherlich gesund und für viele problemlos machbar, aber wie sieht das bei den anderen Bienenprodukten aus? Sollte man sie täglich konsumieren? Hier unterscheidet der Apitherapeut. So könne man Pollen ohne Bedenken täglich im Bereich von ein bis zwei Teelöffel ohne weiteres über längere Zeiträume zu sich nehmen. Die regelmäßige Einnahme von Blütenpollen im Winter, die aus der Region stammen, in der man lebt, sorge für eine „natürliche Immunstimulation“ und sei ein optimaler Schutz für die kommende Pollen-Saison. Der Körper ist dann daran gewöhnt, was insbesondere Pollen-Allergiker oft spüren.

 

„Blütenpollen werden zum Beispiel in China aufgrund ihrer Reichhaltigkeit an Energie spendenden Wirkstoffen und ihrer vitalisierenden Eigenschaften traditionell pur eingenommen“, berichtet er. Aus apitherapeutischer Sicht rät er zur Einnahme von frischem Blütenpollen. Durch die Trocknungsprozesse würde ein Teil der wirksamen Inhaltsstoffe des Pollens verloren gehen.

 

Bei der Einnahme von Propolis sollte man seiner Erfahrung nach gezielter vorgehen und es eher temporär nutzen. „Propolis besitzt ein umfangreiches Spektrum an antibakteriellen, antiviralen und antiparasitären Eigenschaften. Deshalb halte ich nichts davon Propolis in größeren Dosen dauerhaft einzunehmen“, sagt er. Propolis sei eher dazu geeignet bestimmte gesundheitliche Problem anzugehen. Das hohe Potential an antiviraler Wirkung besitze es, weil durch die Propolis die sogenannte NUC-Poliymerasenbildung gehemmt wird. Enzyme, die bei der Vermehrung von Viren eine essentielle Bedeutung spielen, können sich nicht mehr vermehren und die Virusvermehrung wird unterbrochen. Arno Bruder rät Propolis je nach Erkrankung in verschiedenen Variationen einzunehmen und dies mit einem erfahrenen Apitherapeuten abzusprechen. Apitherapeuten sind meist Heilpraktiker oder Ärzte mit komplemetär medizinischer Ausbildung.

 

Angepriesen wird auch immer wieder das Bienenprodukt Gelee Royal als vermeintliches Wundermittel – oftmals als Zusatz in Kosmetik, da es einen besonderen Anti-Aging-Effekt verspricht. Aber auch als Superfood tut es seine Dienste. So soll es sowohl die Fruchtbarkeit erhöhen, das Immunsystem stärken und das Wohlbefinden insgesamt steigern. Gelee Royal besteht aus Pollen und dem von den Speicheldrüsen der Arbeitsbienen abgesonderten Sekret. Es dient eigentlich als Futter für die Bienenkönigin und den frisch geschlüpften Larven. Seine Wirkung hat es aufgrund einer hohen komplexen Nährstoffdichte unter anderem aus Proteinen, essenziellen Fettsäuren, Vitaminen, Mineralien und Aminosäuren. Gelee Royal enthält außerdem hohe Mengen an Flavonoiden und Biotin.

 

Ernte der Bienenprodukte nicht schädlich für die Bienen

 

Die Gewinnung der Bienenprodukte setzt eine gewisse Erfahrung beim Imker voraus und man benötigt besondere Betriebsmittel wie Pollenfallen, Propolisgitter und bestimmte Apparaturen etwa zur Gewinnung des Gelee Royal (Vakuumpumpe, etc. ). Auch ist immer wieder zu hören, dass ein hoher Aufwand für den Imker entsteht und dass stärkere Eingriffe in den Bienenstock nötig sind als bei der Honigernte, die die Bienen stören. Doch das sieht Bruder nicht so kritisch. „Sicherlich kommt es mal vor, dass ein Bienenbeinchen im Gitter einer Pollenfalle hängen bleibt, aber das ist nicht die Regel. Auch die Entnahme von Gelee Royal aus dem Bienenvolk ist der Entwicklung des Bienenvolkes nicht abträglich“, sagt er. Der Superorganismus Bien produziere während des Schwarmtriebes einen Überschuss an Königinnenzellen, obwohl nur eine Zelle zum Schlupf einer Königin benötigt wird. Dann sei Gelee Royal übrig. „Wenn wir behutsam und mit Maßen die für den Menschen wertvollen Bienenprodukte den Völkern entnehmen, werden die Bienen nach meiner Meinung nicht geschädigt.“

 

 

Die Bienenprodukte kann man seiner Meinung nach ohne Bedenken konsumieren, wenn bei der Gewinnung und Verarbeitung bestimmte Maßstäbe im Sinne von höchsten Qualitätsstandards berücksichtigt und eingehalten werden. Imkern, die Bienenprodukte zum Verkauf ernten und anbieten wollen, rät er beispielsweise unbedingt eine reibungslose Kühlkette einzuhalten.

 

 

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