Zecken bringen Gefahren für Imker

Neue Zeckenarten, mehr Krankheitsfälle und mehr Risikogebiete – die kleinen Blutsauger breiten sich aus. Die Gefahren, die von Zecken ausgehen, werden oft unterschätzt. Imker sind besonders gefährdet.

 

Geschrieben von Jana Tashina Wörrle

 

Waldränder und ungemähte Wiesen mögen Zecken besonders gern. Es sind jedoch auch perfekte Standorte für Bienenvölker und so gelten Imker – ähnlich wie beispielsweise Forstarbeiter – als besonders gefährdet, dass sie eine Zecke sticht – und auch, dass sie an Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) oder Lyme-Borreliose erkranken. In Europa vorkommende Zecken übertragen hauptsächlich diese beiden Krankheitserreger.

 

Forscher der Universität Hohenheim und des Deutschen Konsiliarlabor für FSME untersuchen die Ausbreitung von Zecken in Deutschland und die Fälle von FSME-Erkrankungen. Diese sind in den vergangenen Jahren trotz Schwankungen gestiegen. Außerdem sind es mehr Gebiete geworden, die als Hotspots für ein Erkrankungsrisiko gelten, und neue Zeckenarten wandern nach Deutschland ein, bei denen noch nicht geklärt ist, ob und welche Krankheitserreger sie eventuell übertragen.

 

2018 war ein besonders starkes Zeckenjahr

 

Während es für die Zahl derjenigen, die an Borreliose erkranken nur Schätzwerte von 10.000 bis 30.000 Erkrankten pro Jahr gibt, da die Krankheit nicht in allen Bundesländern meldepflichtig ist, wird die Zahl derjenigen, bei denen FSME eindeutig diagnostiziert wird, statistisch erfasst. So registriert sowohl das Robert Koch Institut (RKI) als auch das Konsiliarlabor für FSME diese Zahl – allerdings nach unterschiedliche Methoden bzw. hat das RKI eine strengere Definition der Risikogebiete. Die Forschung an der Uni Hohenheim bezieht sich auf die Auswertungen des Deutschen Konsiliarlabors für FSME, die viele Einzelfallbetrachtungen mit einbeziehen, und damit auf eindeutig steigende Zahlen bei den FSME-Erkrankungen.

 

So war das heiße Jahr 2018 ein besonders starkes Zeckenjahr und es zeigte viele FSME-Erkrankungen. Das lag der Zeckenforscher aus Hohenheim zufolge daran, dass die Menschen viel Zeit draußen verbrachten – sozusagen die gesamte Zeit, während auch die jahreszeitlich höchste Aktivität von Ixodes ricinus, der am weitesten verbreiteten Zeckenart, herrscht. So verzeichneten sie im vergangenen Jahr in der Bundesrepublik 571 Erkrankungen mit FSME nach Angaben des Epidemiologischen Bulletin des RKI – die höchste je registrierte Zahl von Erkrankungsfällen. Ein Jahr zuvor waren es noch 497 Fälle.

 

Zecken sind nicht nur im Wald und auf Wiesen

 

Die Krankheitsfälle zeigen sich regional sehr unterschiedlich verbreitet. 85 Prozent der Fälle treten in Bayern und Baden-Württemberg auf. Dennoch bleiben auch andere Gebiete nicht verschont und das Konsiliarlabor registriert eine Verschiebung bei den Zecken Hot-Spots, d.h. den Regionen, in denen FSME-Erkrankungen gehäuft auftreten. So verlieren einige Hotspots an Bedeutung und neue kommen hinzu. Die neuen Hotspots liegen in Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern und Berlin. Insgesamt breitet sich die Krankheit FSME also nach Norden aus. „Zecken hat es im Norden Deutschlands schon immer gegeben und auch einzelne Krankheitsfälle, aber nicht in einem solchen Maß, dass man von Risikogebieten sprechen konnte“, erklärt Ute Mackenstedt, Parasitologin der Universität Hohenheim.

 

Die Forscher aus Hohenheim weisen auch darauf hin, dass Zecken mittlerweile das fast ganze Jahr über aktiv sind. Zudem sind sie nicht mehr nur tief im Wald oder auf Wiesen mit hohem Gras zu finden. Das untersuchten die Zeckenexperten in rund 100 Gärten im Großraum Stuttgart. Aufgrund der milden Wintertemperaturen sind Zecken bereits ab Februar und bis in den Dezember hinein aktiv. Das Problem: Kaum jemand ist im frühen Frühjahr oder im Winter gegen Zecken geschützt, wenn er in der Natur unterwegs ist. "Der Klimawandel hat die Zecke in Deutschland zu einem quasi ganzjährig aktiven Tier gemacht", kommentiert die Wissenschaftlerin ihre Ergebnisse.

 

Diese zeigen außerdem, dass Zecken genauso gerne in Gärten leben wie in der naturbelassenen Umgebung. "Inzwischen können wir in 60 Prozent aller Gärten Zecken nachweisen – in Einzelfällen fanden wir über 1000 Tiere in einem Garten in einem Jahr", sagt Ute Mackenstedt, zu den Untersuchungen im Raum Stuttgart, die jedoch vermutlich auch auf andere Regionen übertragbar seien. Gefunden wurden Zecken sowohl in verwilderten Gärten am Waldrand als auch in akkurat gepflegten Stadtgärten. Ein Grund für die große Verbreitung seien Haus-, Wild- und Nagetiere, die die Spinnentiere in die Gärten und so zum Menschen bringen.

 

Neue Zeckenarten in Deutschland

 

Weitgehend unbekannt ist vielen Menschen den aktuellen Untersuchungen zufolge noch immer die Bandbreite der Krankheiten, die durch Zecken übertragen werden. Neben dem FSME-Virus und den Borrelia-Bakterien konnten die Wissenschaftler auch in Zellen lebende Bakterien, wie Rickettsien, Anaplasmen, Ehrlichien und Coxiella burnetii und Erreger der Hasenpest nachweisen.

 

Dennoch stehen sie aktuell vor einige Rätseln und wollen in mehreren Projekten ihre Zeckenforschung intensivieren. So registrieren sie einerseits neue Zeckenarten in Deutschland wie die Art Ixodes inopinatus, die wohl aus dem Mittelmeerraum eingewandert ist. Andererseits wissen sie noch nicht, ob und welche Gefahr dadurch entsteht: Sind die Arten Überträger von FSME? Gelangen mit ihnen neue Krankheiten nach Deutschland? Das wird derzeit erforscht.

 

Denjenigen, die viel in der Natur unterwegs sind – und dazu gehören Imker in jedem Fall dazu – rät Mackenstedt, dass sie sich danach auf jeden Fall absuchen sollten, ob sich nicht doch irgendwo am Körper eine Zecke festgesaugt hat. „Damit kann man sich auf jeden Fall gegen die Borreliose schützen, denn die Krankheitserreger werden erst 12 bis 15 Stunden nach Beginn des Zeckenstichs übertragen“, sagt die Zeckenexpertin. Der rote Kreis, der sich um einen Zeckenbiss bilden kann, wenn man an Borreliose erkrankt ist, ist übrigens zwar ein eindeutiges Zeichen für die Krankheit, aber man kann die Erreger – die Borrelien – auch im Körper haben, ohne dass dieses Anzeichen auftrat. Die Folgen einer Borreliose können ganz unterschiedlich aussehen, sie kann grippeähnliche Symptome verursachen und/oder verschiedene Organsysteme betreffen, insbesondere die Haut, das Nervensystem und die Gelenke. Anders als bei Borreliose sieht die Übertragung der FSME-Viren aus, denn die Viren sitzen bei den Zecken in den Speicheldrüsen und gelangen sofort nach dem Biss ins Blut des Wirts. Ute Mackenstedt rät deshalb zur Impfung gegen FSME – auch, weil die Krankheit schwere Folgen haben kann, wenn die Viren das Gehirn erreichen.

 

Antizeckenmittel, sogenannte Repellentien, können ihrer Erfahrung nach Zecken zwar durch ihren starken Geruch abwehren. „Einen hundertprozentigen Schutz bieten sie aber nicht“, sagt die Forscherin und gibt denjenigen, die oft durchs hohe Gras laufen den Tipp, auf jeden Fall die Hose in die Socken zu stecken. Außerdem erkenne man Zecken auf heller Kleidung schneller und kann sie dann abschütteln, bevor sie sich verkriechen und festsaugen.

 

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