Bienenparadies Friedhof

Friedhöfe sind Inseln der Stadtnatur und mittlerweile auch beliebte Standplätze für Bienenvölker. Aber warum eigentlich und wie lange noch?

 

Geschrieben von Jana Tashina Wörrle

 

Mehr als zehn Prozent der öffentlichen Grünflächen in Berlin sind die Flächen der Friedhöfe. Das sind insgesamt über 1.000 Hektar – meist grün, voller Bäume und vieler Blüten. Sie bieten Tieren und Pflanzen vielfältige Lebensräume; Strukturvielfalt sowie den besonderen Pluspunkt in einer derart vollen Stadt wie Berlin: eine relative Ungestörtheit und damit Rückzugsorte. „Viele Friedhöfe verfügen über alte Baumbestände, Sträucher und Gehölze“, erklärt dazu Derk Ehlert, der Sprecher der Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz (SenUVK). Aufgrund ihrer Größe wirken sich die großen, grünen Friedhofsflächen auch positiv auf das Stadtklima aus – sie kühlen im Sommer.

 

Diese Vorteile haben auch schon viele Stadtimker erkannt und stellen ihre Bienen gerne auf Friedhofsflächen auf. Gleich im Frühjahr blühen hier meist Schneeglöckchen und Blausterne, Hecken aus Weißdorn und Sträucher wie Hartriegel folgen und dann bieten das ganze restliche Jahr vor allem Bäume wie Weide, Ahorn, Robinie und Linde reichlich Nahrung für Bienen. Nicht zu vergessen sind die Bepflanzungen der Gräber, auf denen Heidepflanzen beliebt sind – bei den Friedhofsgängern und bei den Bienen.

 

Berliner Friedhofsflächen schrumpfen: Bebauung nicht ausgeschlossen

 

Doch immer wieder muss man auch lesen, dass die Berliner Friedhofsflächen schrumpfen und dass sie bebaut werden könnten. Der Trend zur Feuerbestattung, anonyme und kleine pflegeleichte Gräber haben dazu geführt, dass Berlin über weitaus mehr Friedhofsfläche verfügt als gegenwärtig und zukünftig für Bestattungen benötigt wird. Gemäß dem Berliner Friedhofsgesetz können Friedhofsflächen nach mindestens 30 Jahren nach der letzten Beisetzung – wenn die Ruhe- und Pietätsfristen abgelaufen sind – einer anderen Nutzung zugeführt werden.

 

So steht im Berliner Friedhofsentwicklungsplan aus dem Jahr 2006, der allerdings der noch immer gültige ist, dass von den 1.037 Hektar Friedhofsfläche ein knappes Drittel anderen Nutzungen zuzuführen sei. Nur noch 747 Hektar sollen als Friedhofsflächen erhalten bleiben. Eine Bebauung ist dabei nicht ausgeschlossen – und derzeit schon geschehen wie auf der ehemaligen Friedhofsfläche am Rande des Volksparks Friedrichshain und in der konkreten Planung etwa in auf den Friedhöfen Georgen-Parochial III und Segen in Pankow. Nach Angabe des Bund für Naturschutz Berlin lastet auf Kirchengemeinden der Druck, Teilflächen zu Geld zu machen, um den Betrieb der schrumpfenden Friedhöfe zu finanzieren. Insgesamt 224 Friedhöfe hat Berlin, 117 davon gehören zur Evangelischen Kirche, 86 sind landeseigene Friedhöfe, 9 katholisch und zehn laufen in der Statistik unter „Sonstige Friedhöfe (britisch, jüdisch, moslemisch, russisch-orthodox, sonstige)“.

 

Derk Ehlert sagt, dass als Folgenutzung grundsätzlich Grünflächen vorgesehen seien. Doch: „In Einzelfällen kommt es auch zur Bebauung dieser Flächen.“ Dann verschwindet allerdings wertvoller Naturraum, der Insekten und vielen anderen Tieren Nahrung und Nistplätze bietet. Bislang ist dies jedoch noch der Ausnahmefall und viele Friedhofsflächen, die nicht mehr für Bestattungen benötigt werden, liegen brach bzw. werden manches Mal auch für Stadtgartenprojekte genutzt. So ist beispielsweise auf dem ehemaligen Neuen St.-Jacobi-Friedhof an der Hermannstraße in Neukölln ein Gartenprojekt mit Schulgärten inklusive Imkerei entstanden.

 

Bienenweide auf dem Friedhof

 

Zuständig für die Bepflanzung der noch aktiven Friedhöfe sind die jeweiligen Friedhofsverwaltungen. An diese sollte man sich als Imker übrigens auch wenden, wenn man auf einem Friedhof Bienen aufstellen möchte. Bei den landeseigenen Friedhöfe sind das die jeweiligen Bezirksämter. Zwar machen diese ihren Mitarbeitern keine direkten Vorgaben für insektenfreundliche Bepflanzungen auf den Friedhofsflächen. Doch auch die Friedhöfe sind nach Aussage der Senatsumweltverwaltung sowohl in die Berliner Bienenstrategie mit eingebunden als auch in die Strategie für biologische Vielfalt.

 

Wer sich nicht nur auf die öffentliche Bepflanzung verlassen möchte, damit Friedhöfe Bienenparadiese sind und bleiben, kann auch die Grabstelle der eigenen Familie nutzen, um hier Bienenweide zu pflanzen. So kann auch jeder einzelne etwas dafür tun, dass sich Wild- und Honigbienen auf den Stadtfriedhöfen noch wohler fühlen. Am besten eigenen sich Pflanzen, die lange blühen und wenig Pflege brauchen. Das sind neben dem genannten Heidekraut beispielsweise auch Lavendel oder Männertreu, Vergissmeinnicht, Klee und jegliche blühenden Kräuter und Stauden.

 

 

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