Oxalsäure gegen die Varromilbe: Anwendung, Wirkung und was erlaubt ist

Sprühen oder Träufeln? In der Apotheke kaufen oder im Imkereifachhandel? Warum nur in brutfreien Bienenvölkern anwenden? Und entstehen Gefahren für den Imker? Die wichtigsten Fragen und Antworten zur Oxalsäure-Behandlung gegen die Varroamilbe im Überblick.

 

Geschrieben von Jana Tashina Wörrle

 

Neben Ameisensäure und Milchsäure steht auch die Oxalsäure in der Liste der organischen Säure, die man als Behandlungsmittel der Bienen gegen die Varroamilbe einsetzen darf. Als Träufelbehandlung im Winter hat sie sich schon etabliert, doch es gibt auch andere Formen, wie Oxalsäure gegen die Varroamilbe wirkt. Grundsätzlich funktioniert das so: Oxalsäure ist ein Kontaktgift und wird bei der Behandlung von den Bienen über ihre Körperoberfläche aufgenommen. Dadurch übersäuert die sogenannte Hämolymphe der Bienen, eine Körperflüssigkeit, die ähnlich wie Blut im Körper der Bienen zirkuliert. Diesen übersäuerten Stoffwechsel vertragen die Bienen in Maßen, die Varroamilbe allerdings nicht. Sie stirbt.

 

Die Säure wirkt allerdings nicht – wie etwa Ameisensäure – in die verdeckelte Brut hinein. Das ist der Grund dafür, warum man Oxalsäure-Produkte nur bei brutfreien Bienenvölkern anwenden sollte. Brutfrei sind die Völker im Winter, als Jungvölker, die noch keine eigene Brut haben oder wenn man gezielt Flugbienen und Bienenbrut trennt – etwa bei der Anwendung der Methode „Teilen und Behandeln“ oder durch Käfigen der Königin, so dass eine Brutpause entsteht.

 

Oxalsäure träufeln, sprühen oder verdampfen?

 

Bis zum Jahr 2017 war es Imkern nur erlaubt, eine Träufelbehandlung mit einer 3,5-prozentigen Oxalsäure durchzuführen. Vor gut zwei Jahren bekam auch die Sprühbehandlung mit dem Mittel Oxuvar 5,7% der Firma Andermatt BioVet GmbH als 3-prozentige Lösung eine Zulassung. Doch wie unterscheiden sich die beiden Anwendungen – wann macht das Träufeln Sinn und wann das Sprühen? „Die Sprühbehandlung eignet sich besonders bei der Behandlung von Jungvölkern, die noch brutfrei sind. Die Träufelbehandlung eignet sich besonders für die Winter-Behandlung, wenn die Bienen eng in ihren Wabengassen sitzen und ebenso brutfrei sind“, erklärt dazu Dr. Otto Boecking von LAVES Institut für Bienenkunde Celle. Aufpassen muss man allerdings mit der Konzentration der Säure, die sich nach Anwendungsform unterscheidet: So wird Oxalsäure als 3-prozentige Oxalsäuredihydrat-Lösung gesprüht. Dafür wird Oxuvar 5,7% mit Wasser verdünnt. Mit Zucker verdünnt wird aus Oxuvar 5,7% eine 3,5 prozentige Lösung zum Träufeln. Hierbei ist es wichtig, die Packungsbeilage zu beachten.

 

Als weitere Anwendungsform ist auch das Verdampfen von Oxalsäure bekannt, das in einigen Ländern sehr verbreitet angewendet wird. In Deutschland hat diese Applikationsform allerdings keine Zulassung und Imker begehen nach Arzneimittelgesetz - gemäß § 97 (2) Nr. 23 AMG – eine Ordnungswidrigkeit, wenn sie ihre Bienen dennoch in dieser Form mit Oxalsäure gegen die Varroamilbe behandeln.

 

Wer darf Oxalsäure-Produkte verkaufen?

 

Gelockert haben sich allerdings im vergangenen Jahr die Vorschriften beim Verkauf der Oxalsäure-Produkte. Die Apothekenpflicht ist zum Oktober 2018 gefallen. Als Grund dafür erklärt Otto Boecking, dass in den Jahren zuvor keine oder kaum Probleme mit der Oxalsäure-Anwendung gemeldet wurden. Denn die Apothekenpflicht regelt auch, dass nach einer erfolgten Zulassung eines neuen Medikamentes die Möglichkeit besteht, dieses einer erweiterten kontrollierten Prüfung in der Praxis zu unterziehen. „So können beispielsweise etwaige gravierende Probleme bei der Praxis-Anwendung eines neuen Medikamentes, die bei der Zulassungsprüfung nicht aufgetreten sind, vom Anwender an die Apotheke rückgespiegelt werden. Im Extremfall kann dann als Folge sogar eine Rücknahme der Zulassung erfolgen“, erklärt der Bienenforscher. Dennoch warnt er davor, dass Imker die Oxalsäure nicht unterschätzen sollten in ihrer Wirkung – oder gar auf die Idee kommen sollten, Behandlungsmittel selbst anzurühren. Keinesfalls sollte man nach dem Prinzip „viel hilft viel“ handeln. So dürfen nach den Vorgaben des AMG nur zugelassene Arzneimittel nach tierärztlicher Anweisung oder gemäß der Packungskennzeichnung bei Lebensmittel-produzierenden Tieren angewendet werden. Erhältlich sind die nun freiverkäuflichen Oxalsäure-Produkte weiterhin in Apotheken, aber eben auch im Imkereifachhandel – stationär und online.

 

Haben Oxalsäure-Produkte auch Nebenwirkungen?

 

Behandlungen mit Ameisensäure werden immer wieder als sehr belastend für die Bienen beschrieben. Außerdem ist die Wirkung dieser Säure sehr vom Wetter abhängig. Ist dies auch bei der Oxalsäure der Fall – wie stark belastet sie die Bienen? „Grundsätzlich gilt für alle Varroazide, dass sie nicht allein eine gewünschte Wirkung auf die Milben haben, sondern auch Effekte und Nebeneffekte auf die Bienen aufweisen können“, sagt Boecking. Die zugelassenen Varroazide seien jedoch nach intensiver Prüfung so eingestellt, dass sie möglichst effektiv die Milben reduzieren helfen, die Bienen dabei möglich nicht schädigen. Aus seiner Sicht kann man die Ameisensäure deshalb nicht mit der Oxalsäure vergleichen, weil die Ameisensäure eben bis in die verdeckelte Bienenbrut wirkt und die Oxalsäure nicht. Entsprechend wirkt die Ameisensäure bei einmaliger Anwendung stärker, aber Oxalsäure bedarf eines höheren Aufwands bei der Behandlung, wenn man im Sommer erst das Bienenvolk von der Brut trennen muss. Von einer mehrmaligen Anwendung von Oxalsäure-Produkten, um die Milben der schlüpfenden Bienen zu erreichen, wird abgeraten. Sie sorgt auch für eine weitere Übersäuerung der Bienen, die diese nicht mehr so einfach wegstecken.

 

Eine ausführliche Übersicht über die aktuell zugelassenen Varroa-Behandlungsmittel gibt es hier.>>>

 

 

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