Bio-Bienen gibt es nicht

 

Bio-Imkern: Ein Zertifikat für die Betriebsweise und nicht für die Inhaltsstoffe des Honigs

 

Geschrieben von Jana Tashina Wörrle

 

Die erste und wohl wichtigste Frage bei der Entscheidung, ob man sich als Imker einer Bio-Zertifizierung unterziehen möchte, ist wohl das „Warum?“. „Honig ist immer bio“, hört man immer wieder – schließlich könne man nicht beeinflussen, wohin die Bienen fliegen. Im Prinzip ist das richtig, denn welche Inhaltsstoffe – und auch welche Rückstände und vermeintlichen Giftstoffe – Honig enthalten darf oder nicht, regelt alleine die Honigverordnung. Und diese gilt für alle Imker, die Honig in den Verkehr bringen, also verkaufen oder auch verschenken – egal, ob sie ein Bio-Zertifikat haben oder nicht. Der Unterschied liegt in der Betriebsführung, in der Tierhaltung und auch in der Haltung der Imker, transparent zu machen, wie man arbeitet. Bei den jährlich anstehenden Kontrollen wird deutlich, ob im Wachs Rückstände enthalten sind, welches Futter die Bienen bekommen haben und in welchen Behausungen sie untergebracht sind.

 

„Wir sind schon immer bio: Aber seit Mai 2017 tragen die Produkte der Imkerei Fließgold offiziell das Bio-Siegel“, mit diesen Worten beginnt die Imkerin Johanna Trenkelbach aus Hermsdorf die Beschreibung der Bio-Zertifizierung auf Ihrer Website. Sie formuliert damit genau den Ansatz, dass der Prozess der Zertifizierung viel damit zu tun hat, sich offiziell bestätigen lassen, in welcher Betriebsweise man imkert. „Ich möchte meinen Honigkunden eine Qualitätsgarantie geben“, nennt dies der Imker Malte Eismann aus Neukölln. Beide Berliner Imker führen einen Betrieb mit rund 70 Bienenvölkern. Trenkelbach hat feste Standorte in Berlin und auf dem Land, Eismann imkert hauptsächlich mitten in der City, hat aber auch Bienen in Brandenburg aufs Land. Beide imkert zwar, ohne zu wandern, doch sie kennen die Herausforderungen, die Stadt und Land derzeit für die Bienen und auch die Imker mit sich bringen. Und beide haben sich aus Überzeugung entschieden, ihren Honig mit einem Bio-Siegel verkaufen zu wollen. Malte Eismann gehört zudem dem Bioland-Verband an und imkert nach dessen Vorgaben.

 

Johanna Trenkelbach hat sich erst vor kurzem entschieden, die Imkerei zu ihrem Hauptberuf zu machen. Zwar stammt sie eigentlich aus einer Imkerfamilie, denn schon ihr Großvater hatte Bienen. Ihre Eltern sind aber auch erst jetzt – mit dem Ende der Berufslebens – selbst dazu gekommen gemeinsam mit ihrer Tochter einen Imkerbetrieb aufzubauen, der mehr sein soll als ein Hobby. Johanna Trenkelbach hat im Jahr 2012 mit zwei Ablegervölkern begonnen. Während ihres Studiums in den Fächern Wirtschafts- und Medienpsychologie hat sie die Imkerei dann ausgebaut und sich nun dafür entschieden, sich keinen regulären Job zu suchen, sondern – mit dem Studienabschluss in der Tasche – in die Selbstständigkeit zu starten. Ihre Eltern und auch ihr Mann arbeiten in der Imkerei mit. Schon seit drei Jahren trägt ihr Honig das Bio-Siegel. „Ich habe mich darüber geärgert, dass ich meinen Honig nicht 'bio' nennen darf in den offiziellen Beschreibungen wie etwa auf meiner Website“, sagt die 36-Jährige. Zwar sei der Online-Shop, den sie dort integriert hat, nicht ihr wichtigster Absatzzweig, „aber der Weg, über den die meisten Kontakt zu mir aufnehmen“, erklärt sie.

 

Die Imkerin, die ihren Honig mit dem schmeichelnden Begriff „Fließgold“ benennt, hat ihre Bienen von Beginn an in Holzbeuten gehalten, wie es die Bio-Richtlinien vorschreiben. Sie verwendet nur organische Säuren zur Behandlung der Bienen gegen die Varroa-Milbe und sie achtet auch schon immer darauf, dass sie für die Wintereinfütterung Zucker aus Deutschland verwendet und dass sie ihre Bienenvölker möglichst nicht in Gegenden aufstellt, die von konventionellen Landwirten stark für den Ackerbau genutzt werden. „Damit war die Umstellung nicht in allen Bereichen wirklich aufwendig“, sagt sie. Kosten verursacht habe allerdings vor allem der Wachstausch, da alle Waben mit Mittelwänden aus Bio-Wachs ersetzt werden mussten. Das Kilo Bio-Wachs kostet derzeit fast 40 Euro. Dazu kam viel Bürokratie, die laut Trenkelbach auch wirklich ausgiebig kontrolliert wird. „Alle Rechnungen, ob für Wachs oder Futter, muss ich aufbewahren und dokumentieren, was, in welchen Mengen zum Einsatz kam; dazu alles zur Varroabehandlung. Außerdem wird jedes Jahr das Wachs auf Rückstände untersucht“, sagt die Imkerin aus Hermsdorf. Rund 500 Euro kostet sie das Bio-Label für ihren Honig jedes Jahr.

 

Bio-Zertifikat: Das schreibt die EG-Ökoverordnung Imkern vor

1. Herkunft der Bienen: Vorzug sollten die Apis mellifera oder andere „lokalen Ökotypen“ haben. Zur Erneuerung von Bienenbeständen können jährlich aber zehn Prozent der Weiseln und Schwärme durch andere Bienen ersetzt werden.

2. Unterbringung der Bienen: Die Beuten müssen aus natürlichen Materialien bestehen. Als Beutenmaterial wird deshalb Holz empfohlen.

3. Verwendung von Tierarzneimitteln/Krankheitsvorsorge: Außer zur Behandlung gegen die Varroa-Milbe sind in Deutschland keine Medikamente in der Imkerei zugelassen. Zur Bekämpfung der Milbe dürfen jedoch auch nur ausschließlich Präparate mit Ameisensäure, Milchsäure, Oxalsäure und Thymol verwendet werden. Zudem sind nur physikalische Behandlungen zur Desinfektion von Beuten wie Dampf oder Abflammen gestattet. Einsatz von Natronlauge ist nicht mehr erlaubt.

4. Futter für die Bienen: Am Ende der Saison muss für die Überwinterung genügend Honig und Pollen in den Bienenstöcken verbleiben. Das Füttern von Bienenvölkern ist nur zulässig, wenn das Überleben des Volks klimabedingt gefährdet ist. In diesem Falle dürfen ökologischer/biologischer Honig, ökologische/biologische Zuckersirupe oder ökologischer/biologischer Zucker zugefüttert werden.

5. Wachs für Mittelwände: Grundsätzlich muss vorrangig ökologisches/biologisches Bienenwachs verwendet werden. Während des Umstellungszeitraums darf in Ausnahmefällen jedoch auch nichtökologisches/nichtbiologisches Bienenwachs genutzt werden, wenn entweder auf dem Markt kein Wachs aus ökologischer/biologischer Bienenhaltung erhältlich ist oder wenn es erwiesenermaßen nicht mit Stoffen verunreinigt ist, die für die ökologische/biologische Produktion nicht zugelassen sind. Zudem ist Entdeckelungswachs erlaubt.

6. Sammelgebiete für Bienen/Aufstellorte: Die Bienenstöcke müssen so aufgestellt werden, dass im Umkreis von drei Kilometern um den Standort Nektar- und Pollentrachten im Wesentlichen aus ökologischen/biologischen Kulturen und/oder Wildpflanzen und/oder Kulturen bestehen, die die ökologische/ biologische Qualität der Imkereierzeugnisse nicht beeinträchtigen können. Diese Bestimmungen gelten nicht, wenn keine Pflanzenblüte stattfindet, und nicht während der Ruhezeit der Bienenstöcke.

 

Obwohl eigentlich die Betriebsweise, das Material und der Umgang mit den Bienen zertifiziert wird und nicht der Honig, geht es am Ende doch um ein Zertifikat, das den Honig bewertet. Malte Eismann findet die Diskussion darum, dass Honig heute quasi nicht mehr pestizidfrei erzeugt werden kann, sehr schwierig – einerseits, weil die Landwirtschaft immer neue Mittel und Wege findet, Chemie einzusetzen und andererseits, weil es heute Messverfahren gibt, die auch die allerkleinsten Partikel nachweisen und so auch minimale Funde, die weit unter den erlaubten Grenzwerten liegen, für große Kritik sorgen können. „Ich imkere so, dass ich möglichst viele Belastungen ausschließe und dies möchte ich auch denjenigen zeigen, die meinen Honig und andere Bienenprodukte kaufen“, sagt er. Zwar hat der Neuköllner mit Pestiziden nur bei seinen Bienen in Brandenburg Berührungspunkte, doch auch in der Stadt gibt es Belastungen durch den Autoverkehr. Da aus der Sicht von Malte Eismann das reine EG-Bio-Label wenig aussagt, hat er sich dafür entschieden, sich außerdem noch den etwas strengeren Bioland-Richtlinien zu unterziehen.

 

Die Umstellung fand der 43-Jährige nicht sehr kompliziert, dennoch ärgert er sich ein wenig, dass er damals nicht direkt mit Bio- bzw. Bioland-Bienenvölkern neu gestartet ist, sondern das Umstellungsjahr in Kauf genommen hat. So rät er auch anderen, darüber nachzudenken, sich gleich zertifizierte Völker zu kaufen und sich auch ausgiebig Gedanken über das Rähmchenmaß zu machen: „Ich habe nach der Umstellung auf bio dann auch noch von Deutsch-Normal auf Deutsch-Normal-Anderthalb gewechselt und dabei nochmals ein Jahr verloren, bis ich mit dem Betrieb richtig wirtschaften konnte, den ich nun führe.“

 

Seinen Honig verkauft Eismann vor allem in Bioläden in Neukölln, Kreuzberg und Tempelhof.

Er muss sich durch das Bio-Label nicht der Konkurrenz im Supermarkt stellen, wo ein starker Preisdruck herrsche. Doch er erlebt auch, dass es immer schwieriger wird, gute Absatzmärkte in Berlin und der Umgebung zu finden, da die Zahl der Imker so stark gewachsen ist. „Auch mit einem Bio-Zertifikat hat man heute keine Garantie mehr, dass man den Honig in jeden Laden seiner Wahl bekommt“, sagt er. Dass die Stadtimkerei in den vergangenen Jahren so ein starkes Interesse geweckt hat, sieht der Neuköllner vor allem als Reaktion auf die Einseitigkeit der Landwirtschaft, die den Bienen heute kaum mehr Nahrung übriglässt – geschweige denn ein Trachtband, das sie über das ganze Jahr ausreichend versorgt. Er selbst imkert schon seit über zehn Jahren. „Früher gehörte auf jeden richtigen Bauernhof auch das Imkern dazu. Da sollten wir wieder hinkommen, damit es auch wieder mehr Landimker gibt“, sagt Malte Eismann und bezieht sich darauf, dass die Landwirte damals dann auch wussten, wie wichtig Blühstreifen, Zwischensaaten und der Anbau von bienenfreundlichen Feldfrüchten wirklich ist.

 

Bioland und Demeter: Das gilt es zusätzlich zu beachten

Bioland:

  • eingesetztes Bienenwachs muss (wenn auf dem Markt vorhanden) aus Bioland-Beständen stammen
  • im Brutraum sollten die Bienen einige Waben selber bauen dürfen (keine Mittelwände), die Mittelwände im Honigraum sollten aus Naturbau bestehen
  • der Honig darf bis 40 Grad erwärmt werden, wenn er kristallisiert ist, aber nicht darüber hinaus

Infos zu den Vorgaben von Bioland>>>

 

Ähnlich wie die Vorgaben des Bioland-Verbands sind auch die von Naturland. Infos gibt es hier.>>>

Demeter:

  • Vermehrung und Königinnenzucht nur über den Schwarmtrieb und nicht über die Ablegerbildung mit einzelnen Brutwaben
  • im Brutraum ist nur Naturbau erlaubt und in den Honigräumen müssen die Mittelwände aus Naturbau bestehen
  • Imkern ohne Absperrgitter
  • das Schneiden von Drohnenbrut ist nicht erlaubt
  • der Honig darf nicht erwärmt werden

Infos zu den Vorgaben von Demeter>>>

 

Für beide hier dargestellten Berliner Bio-Imker ist die Zertifizierung zwar ein Verkaufsargument und auch Marketingmittel, im Vordergrund steht aber vor allem der Beleg für die Kunden, dass der Honig aus einem Betrieb stammt, der sich nachhaltig für die Bienen, die Umwelt und „saubere“ Lebensmittel einsetzt. Und so hat Johanna Trenkelbach auch Kritik an Vorgaben der Bio-Zertifizierung: „Ich würde mir wünschen, dass die Regionalität bei den eingesetzten Materialien und auch beim Futter eine größere Rolle spielt“, sagt sie und verweist darauf, dass man für das EG-Bio-Label die Bienen auch mit Bio-Zucker aus Indien füttern dürfte statt mit solchem aus Deutschland, der weniger Transportstecke hinter sich und damit auch weniger CO2 verursacht hat. „Vieles wird dem Verbraucher nicht sichtbar gemacht“, sagt sie. Noch einen Schritt weiter gehen und sich zum Beispiel bei Demeter zertifizieren zu lassen, ist zwar ein Thema, über das sich die Betriebsgründerin gerade Gedanken macht. Doch dies hätte wiederum Folgen für ihre Betriebsweise, die sie derzeit nicht umsetzen möchte – etwa das vorgeschriebene Imkern ohne Absperrgitter und im Naturwabenbau.

 

Wer seine Imkerei bio-zertifizieren lassen möchte, sollte sich zuerst eine Bio-Kontrollstelle in seiner Region suchen und schließt dort einen Kontrollvertrag ab. Dann findet eine Erstkontrolle statt, bei der die Betriebseinrichtung und die Aufstellungsplätze begutachtet werden und erläutert wird, welche bürokratischen Pflichten nun auf den Imker zukommen bzw. welche Dokumentationen er nun zu führen hat. Dann beginnt die Umstellungsphase, die meist ein Jahr in Anspruch nimmt. In diesem Jahr muss die Imkerei bereits die Kriterien der EG-Bio-Verordnung einhalten – die Zertifizierung gilt jedoch noch nicht als abgeschlossen und es darf auch noch kein Bio-Label verwendet werden. Nach dem Umstellungsjahr findet dann nochmals eine ausgiebige Kontrolle statt. Und auch nach der Umstellung muss sich der Imkereibetrieb regelmäßigen Kontrollen durch eine Kontrollstelle stellen. Diese finden mindestens einmal jährlich statt. Wer sich zusätzlich zum EG-Bio-Label bei einem Anbauverband wie Bioland oder Demeter zertifizieren lässt, muss nicht mit einer zusätzlichen Kontrolle rechnen. Die Einhaltung der Kriterien werden alle von der gleichen regionalen Kontrollstelle überprüft.

Ein Verzeichnis der Kontrollstellen gibt es hier.>>>

Gute ausführliche Infos zur Umstellung auf eine Bio-Imkerei gibt die Bayerische Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau.>>>

Hier kann man die EG-Ökoverordnung im Detail nachlesen.>>>

 

 

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