Die wichtigsten Fragen und Antworten zur Winterbehandlung

Sprühen oder Träufeln? Milchsäure oder Oxalsäure? Welche Medikamente sind zugelassen und wo bekomme ich sie? Darf man wirklich nur bis zur Wintersonnenwende behandeln? Und wie wichtig ist es, dass die Bienen wirklich brutfrei sind? Die richtige Winterbehandlung wirft viele Fragen auf. Hier gibt es Antworten.

 

Geschrieben von Jana Tashina Wörrle

 

Der heiße Sommer 2018 ist den Honigbienenvölkern in Deutschland meist recht gut bekommen und im Spätsommer haben sich viele Imker über eine eher niedrige Anzahl an Varroa-Milben gefreut. Doch dabei ist es leider in vielen Fällen nicht geblieben. Stattdessen haben sich in vielen Völkern zum Herbst hin die Milben rasant vermehrt – entweder, weil die Sommerbehandlung nicht gewirkt hat oder weil einzelne Ausreißervölker mit einer starken Belastung nicht erkannt und unzureichend behandelt wurden. Doch sobald Völker im Flugradius an Varroa zugrundegehen, werden diese Völker von noch vitalen Völkern beräubert. „Neben den Futtervorräten bringen diese räubernden Bienen auch die Milben in ihre Stammvölker zurück“, erklärt Johann Fischer. Er ist staatlicher Fachberater für Bienenzucht in Schwaben und hat im aktuellen Infobrief der Bieneninstitute Tipps für die nun anstehende Winterbehandlung zusammengefasst. Hier beantwortet er weitergehende Fragen zum Thema. So könne der Milbeneintrag in der Woche von einigen hundert bis mehreren tausend Milben betragen. Als weitere Möglichkeit, wie Milben in andere Völker eingetragen werden, nennt er die Varroaschwärme, denn Biennevölker, die unter starkem Varroadruck stehen, schwärmen manches Mal auch aus. Sie verlassen die Brut und betteln sich häufig in andere Völker ein. „Diese Varroaschwärme sind nicht allzu groß, so dass Imker dies kaum bemerken. Die Milbenlast, die sie mitbringen, ist jedoch auf der Diagnosewindel deutlich zu erkennen“, sagt Fischer. Diese Reinvasion erfolge meist innerhalb des Standes und zwischen benachbarten Ständen. Sie tritt nicht so häufig auf wie die Reinvasion über die Räuberei.

 

Ist die Anzahl der Milben im Bienenvolk jetzt also sehr hoch, sollte auf jeden Fall eine Winterbehandlung erfolgen. Dabei gilt als Grundsatz, dass nicht mehr als 0,5 Milben pro Tag und Bienenvolk auf die Kontrollunterlage fallen sollte. Sind es mehr, ist die Schadschwelle überschritten.

 

Welche Mittel gibt es für die Winterbehandlung der Bienen gegen die Varroamilbe und warum ist die Brutfreiheit dabei so wichtig?

 

Für die Winterbehandlung stehen Mittel mit Milchsäure und Oxalsäure zur Verfügung. Anders als im Sommer, wenn meist die Ameisensäure genutzt wird, braucht man nun Mittel, die nur dann angewendet werden, wenn die Bienenvölker komplett brutfrei sind. „Ameisensäure kann nicht mehr angewendet werden, da die Temperaturen für eine effektive Verdunstung nicht mehr gegeben sind“, sagt Johann Fischer. Der wichtigste Unterschied dabei ist, dass Oxalsäure oder Milchsäure im Gegensatz zur Ameisensäure nicht in die verdeckelte Brut hinein wirken. „Deshalb ist für einen guten Behandlungserfolg die Brutfreiheit wichtig“, erklärt der Fachberater und weist darauf hin, dass man diese vor der Behandlung überprüfen muss. Sind an einem Bienenstand nicht alle Völker gleichzeitig ohne Brut, muss man entsprechend auch die Behandlung entweder an unterschiedlichen Zeitpunkten durchführen. Alternativ rät Fischer dazu, ein bis zwei Tage vor der geplanten Winterbehandlung auf Brutfreiheit zu kontrollieren und vorhandene kleine Brutflächen dann mit einer Entdeckelungsgabel aufzureißen, damit die Bienen diese Waben ausräumen.

 

Wie unterscheiden sich die Behandlungen mit Milchsäure oder Oxalsäure?

 

Für die Winterbehandlung stehen grundsätzlich zwei Wirkstoffe zur Verfügung: Die Milchsäure als 15-prozentige Lösung im Sprühverfahren und Oxalsäure sowohl als Lösung zum Aufträufeln in 3,5-prozentiger Form als auch zum Aufsprühen in 3-prozentiger Form.

 

Da Milchsäure bei Temperaturen ab 5 °C aufwärts angewendet wird, sitzen die Bienen dann meist in einer lockeren Wintertraube bzw. manches Mal auch über alle Rähmchen verteilt. So muss für eine ausreichende Behandlung jede Wabe gezogen und besprüht werden, denn möglichst alle Bienen sollten mit der Säure benetzt werden. Man nutzt dafür etwa acht Millimeter pro Wabenseite. „Der Sprühnebel sollte möglichst feine Tröpfchen erzeugen“, rät Fischer und ergänzt, dass man die Milchsäurebehandlung nach etwa sieben Tagen nochmals wiederholt.

 

Anders ist das bei der Winterbehandlung mit Oxalsäure, denn diese darf nur einmal pro Saison angewendet werden. „Bei der Oxalsäure ist zwischen guter Wirkung und Bienenschaden nur ein kleiner Bereich, eine zweite Anwendung hätte massive Bienenschäden zur Folge, eine zu geringe Dosierung ist dagegen schnell mit geringer Wirkung verbunden“, warnt der Experte. Seiner Erfahrung zufolge ist die Träufelbehandlung mit Oxalsäure die verbreitetste Anwendung in der Praxis für die Winterbehandlung. „Sie ist einfach und schnell durchgeführt“, sagt er. Am wirkungsvollsten ist sie, bei Temperaturen um 0° und knapp darunter, wenn die Bienen eng in der Wintertraube zusammensitzen. Dies ist bei leichtem Frost am Morgen am ehesten gewährleistet. Beim Träufeln nutzt man eine Flüssigkeitsmenge von 30 bis 50 Millilitern je nach Volksstärke von einer handwarmen Oxalsäure-Zucker-Lösung. Sie muss genau nach den Angaben der Packungsbeilage des Medikaments angerührt werden. Auch von ihr sollten möglichst alle Bienen gleichmäßig etwas abbekommen. Die gesamte Bienentraube wird dazu beträufelt. Verteilt sich die Traube auf zwei Zargen, sollten beide Teile beträufelt werden.

 

Die Sprühbehandlung mit Oxalsäure verläuft im Prinzip genauso wie die mit Milchsäure, allerdings wird diese auch bei Temperaturen um 0° angewendet und so sitzen die Bienen enger zusammen. Wichtig ist es Johann Fischer dabei auf eine besondere Vorsicht hinzuweisen, denn bei der Sprühbehandlung mit Oxalsäure braucht man eine Schutzausrüstung, da die Säure um einiges aggressiver wirkt. Fischer rät zu Handschuhen und auch einer Atemschutzmaske der Klasse FPP2. Die Anwendungsmenge liegt bei nur  zwei bis vier Milliliter pro Wabenseite. 

 

Nach all den verschiedenen Anwendungen ist eine Kontrolle des Befalls nach etwa zwei Wochen wichtig. „Dadurch weiß man, ob das eigene Bekämpfungskonzept gewirkt hat und auch, welche Völker man in der kommenden Saison besondere Aufmerksamkeit schenken muss, weil sie eventuell belasteter ins Frühjahr starten.

 

Wo bekommt man die Behandlungsmittel und welche Medikamente, die sie enthalten sind aktuell zugelassen?

 

Erst im Spätsommer 2018 wurde die Apothekenpflicht auch für Oxalsäurepräparate aufgehoben und so kann man nun sowohl diese Produkte als auch Milchsäurepräparate im Imkereifachhandel bekommen. Zugelassen sind dabei sowohl 15-prozentige Milchsäure als auch Oxalsäuredihydrat- Lösung mit 3,5 Prozent, die Medikamente Oxuvar mit 5,7 Prozent zum Träufeln und zum Sprühen als auch eines mit dem Namen Oxybee. Eine Zusammenstellung der zugelassenen Präparate inklusive Anwendungshinweisen gibt es hier (Bitte beachten: die Angaben zur Apothekenpflicht sind leider nicht aktuell).>>>

 

Wann sollte man die Winterbehandlung durchführen und spielt die Wintersonnenwende dabei tatsächlich eine Rolle?

 

„Die Faustregel, dass man die Winterbehandlung bis zur Wintersonnenwende erledigt haben sollte, ist eher überholt“, sagt Johann Fischer. Das bezog sich einst auf die Brutfreiheit, da man einst davon ausgehen konnte, dass einige Bienenvölker Ende Dezember wieder mit neuer Brut beginnen. Durch das sich wandelnde Klima und durch die Witterungskapriolen der letzten Jahre ist jedoch diese Regel nach Angaben des Fachberaters hinfällig. „Manche Völker sind bereits im November brutfrei, während andere erst gegen Ende Dezember oder erst im Januar brutfrei sind.“ So gilt es für den richtigen Zeitpunkt der Winterbehandlung vor allem den Zustand der Bienenvölker zu beobachten und die Behandlung dann auch an das jeweilige Wetter anzupassen. Zudem gilt es die Zulassungsbestimmungen des ausgewählten Mittels und entsprechend die Packungsbeilagen zu beachten.

 

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