Schwärme fangen mit dem Abflussrohr

Das Seifertsche Schwarmfangrohr ist eine Zufallserfindung. Es ermöglicht den Schwarmfang in großer Höhe. Jeder kann es ganz einfach nachbauen.

 

Geschrieben von Jana Tashina Wörrle

 

 Das Schwarmfangrohr ist eigentlich ein Open-Source-Projekt. Seitdem Imker Henry Seifert aus Leipzig seine Idee im Internet und per „Mund-zu-Mund-Propaganda“ verbreitet hat, wird vielerorts daran gebastelt. Die Diskussionen in Imkerforen liefern den Beweis. Dabei hatte Seifert eigentlich einen anderen Ansatz, als er auf der Suche nach einer Gerätschaft war, mit der er schnell und einfach Bienenschwärme in großer Höhe fangen kann. „Ich wollte nicht lange und aufwendig etwas zusammenbauen müssen, nichts mit Schrauben oder aus teurem Material“, erzählt der Imker.

 

Die Idee dazu, einfach ein Abflussrohr zu nehmen, kam durch einen Zufall. Immer wieder erlebte er den klassischen Fall, dass sich ein Schwarm weit oben in einem Baum niedergelassen hat. Versucht man diesen per Teleskopstange und Eimer herunter zu klopfen, fällt nicht selten alles zu Boden – die Bienen sind zu schwer. Der kurze Hebel reicht nicht aus um die bis zu drei Kilogramm Gewicht eines Schwarms zu halten und sanft abzusetzen.

 

Schwarmfangrohr: ein Open-Source-Projekt

 

„Anfangs dachte ich, dass es genügt, ein dickes Rohr statt der Stange zu nehmen“, sagt Seifert. Als er dann mit dem Rohr unter dem Schwarm stand, kam die Idee, den Eimer nicht an der Vorderseite anzuhängen, sondern ihn einfach unten stehen und den Schwarm durch das Rohr sausen zu lassen. „Ich nahm den Eimer zwischen die Füße und schon hatte ich alle Bienen in meinen Schuhen“, erzählt er und lacht dabei herzlich. Der Erste Versuch war also noch verbesserungswürdig. Seit diesem Erlebnis greift Seifert zu einem Damenstrumpf und stülpt diesen über das untere Ende des Rohrs. So bekommen die Bienen genug Luft, fallen weich, wenn sie unten im Rohr ankommen und der Imker hat sie alle beisammen.

 

Einziger Nachteil: Es kann passieren, dass sich einige Bienen mit ihren Füßen am Strumpf festkrallen. Meist kann man ganz vorsichtig wieder abschütteln, wenn man das Rohrstück umdreht. „Wichtig ist ein Knoten am Ende des Strumpfs, damit man das kurze Rohrstück abnehmen, umdrehen und die Bienen in einen Eimer oder einen Schwarmfangkasten schütten kann. Damit kann man vermeiden, dass man Schwarm direkt anfassen muss“, erklärt Seifert, der hauptberuflich als EDV-Fachmann arbeitet. Im Mai und Juni wird aus seiner Hobbyimkerei aber manches Mal fast ein Nebenjob. Als Schwarmfangexperte hat er sich im Raum Grimma, wo er den örtlichen Imkerverein leitet, und Leipzig einen Namen gemacht. Seitdem er vor vier Jahren das Schwarmfangrohr erfunden hat, rückt er nun immer damit an.

 

So ist das Seifertsche Schwarmfangrohr aufgebaut:

 

  1. Als unterstes Bauteil nimmt man ein Rohrstück aus Kunststoff von 50 Zentimeter Länge (sogenannte KG- oder HT-Rohre), über das man einen Nylonstrumpf stülpt. Das kürzere Stück ist wichtig, da man das am Ende abnehmen können muss. In diesem Stück und im Strumpf ist der Schwarm dann gefangen, bis man ihn in eine Kiste umlogiert. Vorteil des Kunststoffrohrs: Es ist leicht und im Gegenteil zu Teleskopstangen aus Metall auch elektrisch isoliert – falls man doch einmal einer Leitung sehr nahe kommt.

  2. Als nächstes folgen Kunststoffrohre von je zwei Meter Länge, die man ineinander steckt, bis man die gewünschte Länge erreicht hat – je nachdem, wie hoch der Schwarm hängt. Die maximale Länge, mit der man nach den Erfahrungen von Henry Seifert einen Schwarm noch sicher fangen kann, sind 6,5 Meter. Wichtig ist es, vor dem Zusammenstecken die Dichtungsringe zu entfernen, damit man die Rohre wieder problemlos auseinander bekommt. Zerlegt kann man das Schwarmfangrohr in fast jedem Pkw transportieren.

  3. Am obersten Ende des Schwarmfangrohrs wird ein Rohrstück aufgesetzt, das normalerweise den Anschluss von einem Rohr mit größerem Durchmesser erlaubt. Es dient als Trichter, in den der Schwarm fällt, bevor er durch das Rohr nach unten rutscht. Seifert empfiehlt ihn so groß zu wählen, dass man eine Pumpflasche mit Wasser vorne hineinklemmen kann. So kann man im ersten Schritt den Schwarm mit Wasser benetzen und die Höhe austesten.

     

Seitdem die Idee des Schwarmfangrohrs bekannt wurde, wird sie gerne genutzt und immer wieder versucht zu optimieren. Henry Seifert freut sich über die Anregungen der vielen anderen Imker, die ihn übers Internet, auf Vorträgen und im Bekanntenkreis erreichen. „Manche bauen sich Griffe an, andere nehmen statt dem Strumpf einen Schwarmbeutel der Heideimker“, erzählt Seifert.

 

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